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Pol Pot Polka

Ein Roman von r.evolver

Miss Blanchard, Sie werden gebraucht!

Sie ist endlich wieder da! Nach dreijähriger Geheimmission im Dienste Ihrer Majestät meldet sich die schlagkräftigste Agentin des britischen MI6 mit einem neuen Abenteuer zurück: Pol Pot Polka, die fulminante Fortsetzung von r.evolvers Trash-Thriller „The Nazi Island Mystery“, erscheint im Juni 2013 bei EVOLVER BOOKS.

“Pol Pot Polka” ist ein kultiger Pulp-Roman. Klarer Lesebefehl.” - Lion C. Rationus

Prolog Neutrale Zone – Bayrisches Alpenland/Garmisch-Partenkirchen – Operation „Needlestick“, Secret Intelligence Service (MI6)

Aus dem kleinen Radio über dem Doppelbett tönte „Love Will Tear Us Apart“. Himmel, warum musste Marcel Stadler ausgerechnet jetzt beschließen, mich umzulegen?! Noch dazu, als ich gerade meinen Lidstrich zog …

In letzter Sekunde registrierte ich im Taschenspiegel, dass sich Stadler einen dunklen Gegenstand vom Toilettentisch schnappte und zum Schlag ausholte. Blitzschnell wirbelte ich herum. Meine Faust donnerte auf sein Schläfenbein. Smack! Die Behandlung erzielte den gewünschten Effekt. Mein Alpenlover ließ die handliche Royalistenbüste fallen. Klonk! Polternd purzelte Ludwig II. zu Boden. Stadlers spitzer Schrei ließ vermuten, dass ihm der bayrische König genau auf die Zehen geknallt war. Pech für ihn – also nicht für den tragischen Monarchen, sondern für Stadler. Mit einem gezielten Tritt in seine Nieren sorgte ich für eine kurze, aber umso wichtigere Kampfpause, die meine Synapsen nutzten, um in Windeseile die Situation zu analysieren: Mein persönlicher Pistencoach wollte mir den Garaus machen. Das „Warum?“ lag auf der Hand. Wenn auch viel zu spät.

Stadler arbeitete für die Gestapo. Die ganze Zeit hatte er nur eines im Sinn gehabt: den Speicherchip, den ich vor knapp achtundvierzig Stunden mitgehen hatte lassen. Und nicht etwa in einem Elektrogroßmarkt, sondern in der Chefetage des bayrischen Nachrichtenamts in Rosenheim.

Ha! Schön hast du dich linken lassen, höhnte die kleine Kay in meinem Inneren. „Du Arschloch!“ brüllte die große indes ihren Widersacher an. Unmittelbar danach brachte sie ihm mit einem rechten Cross bei, wie man sich in einem Hotelzimmer in Garmisch einer Dame gegenüber zu benehmen hatte.

Stadler spuckte einen seiner tadellosen Vorderzähne aus, stolperte nach hinten und versuchte irgendwo Halt zu finden. Noch bevor seine Hand den Sturz abfangen konnte, donnerte mein Absatz in seine viel zu attraktive Visage. Wirklich schade um den klassischen Nasenrücken und vor allem um die hübschen, wohlgeformten Lippen, die ich noch vor fünf Minuten begehrt hatte wie den Gehaltsscheck am Ende des Monats. Meine Faust schickte noch einen heftigen Liebesgruß nach, dann hatte sich Stadlers makelloses Gillette-Gesicht endgültig in eine abstrakte Skulptur verwandelt. Deutsches Blut schoss in einer Fontäne aus der zertrümmerten Nase.

Wie schon vor drei Stunden ging Marcel Stadler erneut in die Knie. Diesmal aber nicht, um mir am Pistenrand seine Latte gegen den Arsch zu drücken und „Kay, lass uns schnell im Hotel eine Line ziehen – ich bin so scharf auf dich“ zu flüstern. Nein, jetzt vernahm ich keine Liebesschwüre, sondern nur ein unartikuliertes Gurgeln, das ziemlich verzweifelt klang …

Stadlers Atem ging stoßweise. Er war sichtlich erschöpft. Kein Wunder, es war erst knapp zehn Minuten her, dass ich auf seinem Schwanz staccatissimo in den Hyperraum geritten war. Und jeder, der in der Bio-Stunde nur mit halbem Ohr aufgepasst hat, weiß, dass der Orgasmus einem Mann alles an Energie abverlangt. Noch dazu, wenn der Liebesakt mit Kay Blanchard vollzogen wurde, was den Grad männlicher Erschöpfung entscheidend steigern dürfte.

Gut, Marcel Stadler konnte ich also abhaken. Höchste Zeit für den Gnadenstoß. Mit einer routinierten Handbewegung zauberte ich mein Stilett aus dem Stiefelschaft. An sich war mein Kurzzeitgeliebter jetzt so gut wie tot. An sich, wie gesagt – denn als ich meine Waffenhand nach vorn schnellen lassen wollte, fühlten sich meine Gliedmaßen plötzlich ungewöhnlich taub an. Im nächsten Augenblick kehrte sich das merkwürdige Gefühl ins Gegenteil um. Millionen Ameisen krabbelten durch meine Venen und Arterien. Simultan legte sich ein seltsamer Schleier übers Gesichtsfeld. Die gewöhnungsbedürftige Weichzeichnung ließ jedes Detail aussehen wie in einem Softporno von David Hamilton. Hier ging es allerdings ein bisschen weniger zärtlich zu, dafür aber um einiges actionreicher. Vor allem, weil Stadler trotz ramponierter Physiognomie mit bewundernswerter Geschicklichkeit wieder in die Hocke gesprungen war. Sein Fuß fuhr wie bei einem Kasatschok-Tänzer in die Waagrechte und von dort aus geradewegs in meine Magengrube. Woump! Eine interessante Kampftechnik, die mich unsanft nach hinten auf den Holzboden katapultierte, wo ich wie ein Käfer bewegungsunfähig auf dem Rücken liegenblieb. Ich bot sicher keinen allzu graziösen Anblick. Aber das war im Moment meine geringste Sorge, denn irgendwo zwischen dem achten und neunten Rückenwirbel hatte es gerade „Knacks!“ gemacht.

„Kay“, gurgelte es aus Stadlers defekter Mundpartie. „Ich wollte uns das ersparen, aber … das Zeug hat dich viel zu spät … außer Gefecht gesetzt … falsche Dosis. Falsch eingeschätzt … dein Gewicht …“ Er hielt inne. Vielleicht weil er ahnte, dass er gerade im Begriff war, sich eine Spur zu weit aus dem Fenster zu lehnen.

Ich für meinen Teil hätte gern etwas erwidert, aber in meinem Hals war es zu einer Massenkarambolage der Worte gekommen. Der Mistkerl hatte mir tatsächlich präpariertes Kokain untergejubelt – und ich war auch noch so saublöd gewesen, auf den ältesten aller Tricks reinzufallen.

Stadler wartete meine Reaktion nicht ab. Stattdessen öffnete er völlig ungeniert den Reißverschluss meines Lederanzugs und fasste mir unsanft in den Slip.

Wichtige Dinge bewahrte ich stets in Körpernähe auf, weil ich bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Meinung gewesen war, Kay Blanchard sei der sicherste Safe der Welt. Als Stadler den Chip aus meinem Höschen zog, verließ diese Selbsteinschätzung gramgebeugt das Schlachtfeld. Tapfer ignorierte meine Hand die bedingungslose Kapitulation, indem sie Stadler wenigstens noch die Halskette herunterriss.

Warum tat sich jetzt kein schwarzes Loch auf, um mich zu verschlucken? Kaum hatte ich’s gedacht, ging der Wunsch in Erfüllung. Ein heftiger Schmerz in der Wirbelsäule ließ mich regelrecht aus der Haut fahren … und es war stockdunkel dort draußen.

Sechs Monate später – London, Royal Borough of Kensington and Chelsea

Nach wochenlangem Aufenthalt in der Reha-Klinik war ich körperlich wieder fit. Emotional sah es ein bisschen anders aus. Die Analyse der strategischen Abteilung in Legoland war ernüchternd. Das Empire hatte eine seiner wichtigsten Informationsquellen im Kampf gegen die Euro-Nazis eingebüßt. Und das aus dem simplen Grund, weil Agentin Kay Blanchard ihre Muschi nicht unter Kontrolle hatte und so ganz nebenbei die Finger nicht von Drogen lassen konnte. Diese Erkenntnis schmerzte fast noch mehr als das blamable Ergebnis meiner failed mission.

Ein Trost blieb mir: Stadler war die Flucht über die Demarkationslinie nicht geglückt. Das Special Air Service hatte ihn hun¬dert Meter unter dem Gipfelkreuz der Zugspitze gestellt und mit einem Stahlmantelgeschoß in eine Eisspalte befördert. Schön für Stadler, denn jetzt durfte er auf der Skipiste des Allmächtigen bis in alle Ewigkeit seine Parallelschwungtechnik perfektionieren. Weniger schön für die Krone, denn das Eis hatte nicht nur die Leiche des Agenten, sondern auch den wertvollen Datensatz verschluckt. Die neutralen Bayern hatten aus dem Vorfall gelernt und sämtliche Server hundertfach abgesichert. Und somit war die Analyse der Strukturen relevanter roter Widerstandsgruppen in der Nazikonföderation unwiederbringlich verloren. Mit wem sollte sich das Königreich jetzt noch verbünden?

Als wisse es die Antwort, meldete sich das Telefon. Sir Georg Wolff war dran: „Kay, unser Mann hat in Zone vier endlich den Kontakt hergestellt – ruf dir ein Taxi und komm her!“ Wie immer kannte der Tonfall meines Vorgesetzten keine Zwischentöne und Nuancen. Wenn er um neun Uhr sein Büro in Legoland betrat, hörten Gefühle schlicht auf zu existieren. Mit ein Grund, warum Georg nie begreifen würde, was ich für ihn empfand. „Mir geht’s gut, danke der Nachfrage!“ sagte ich nur.

Er reagierte nicht auf den Nadelstich: „Und nimm deinen Koffer mit. Du fährst von der Zentrale sofort weiter nach Gatwick. Alles weitere erklär’ ich dir, wenn du da bist.“

„Krieg’ ich wenigstens eine Gehaltserhöhung?“

„Kay, wir haben’s eilig.“

„Wann haben wir das nicht?“ Ich legte auf und ließ meinen Hintern auf die Couch sinken.

Ist es nicht seltsam, wie schnell das Schicksal die Weichen des Lebens stellt? Auf Knopfdruck funktioniert das, wenn nicht sogar vollautomatisch und absolut ohne Rücksicht auf persönliche Befindlichkeiten. Irgendwo gibt es ein kleines Relais, das leise klickt – und schon den Bruchteil einer Sekunde später fährt der Zug in eine neue Richtung. Nachdenklich ließ ich Stadlers Halskettchen über die Handfläche gleiten. Ich hatte es zur Erinnerung an mein persönliches Waterloo aufgehoben. Der kleine silberne Anhänger glitzerte hübsch im Licht der Tischlampe. Stadler hatte sich eine Apsara als Begleiterin gewählt. Er musste also schon einmal in Zone vier gewesen sein. Jetzt wies die lächelnde Nymphe mir den Weg. Und der führte direkt in die Hölle.

Meine Hand tastete nach der kleinen Benzedrin-Schachtel, die auf dem Boden lag. Ein bisschen Speed konnte nicht schaden, wenn die Überlebenschancen gegen Null tendierten.

Kapitel 1: Jägerin der Apokalypse

Bond war gestern. Jetzt kommt Kay Blanchard. Lernen Sie endlich die außergewöhnlichste Agentin des britischen Geheimdienstes kennen und staunen Sie darüber, wie schlagkräftig unsere Heldin in höchster Gefahr agiert. Und das ist noch nicht alles: Gemeinsam mit Kay dürfen Sie ins mutierte Antlitz der monströsesten Golfer der Welt blicken und nebenbei sogar Musik hören. Legen Sie zum ersten Kapitel dieses wahnwitzigen Abenteuers unbedingt „Circles“ von The Who auf den Plattenteller!

Rrrring! Rrrring! Rrrring! Das penetrante Klingeln schwoll in meinem Kopf zum Soundtrack des Grauens an. Rrrring! Ich ver¬suchte den Wahnsinn zu stoppen. Rrrring! Tja, das war’s dann …

Der totale Systemausfall in meinem Schädel musste durch ein ziemlich massives Ereignis hervorgerufen worden sein. Im günstigsten Fall hatte mich ein kapitaler Schlag auf den Hinterkopf lahmgelegt, im ungünstigsten ein Projektil. He, war ich etwa tot?! Aber wo war dann der berühmte Tunnel, das Licht, der Sixpack-Petrus an der Himmelspforte?

Sssssuuup! Kosmische Lichter rasten auf mich zu. Die Urgewalt des Universums katapultierte mich zu den Partikeln, mit denen alles begonnen hatte. Ja, sehr schön – aber das half meinem Gedächtnis auch nicht auf die Sprünge. Es folgten Blitzlichter aus dem Leben einer Agentin Ihrer Majestät: London, die Zentrale in Legoland, mein Vorgesetzter Sir Georg Wolff, in den ich gar nicht so insgeheim verliebt war, wilde Sex- und Drogenpartys – hoppla, hatte mich etwa mein letzter Trip eingeholt? Die weiteren Ereignisse gaben keinen Aufschluss über die Fragestellung. Sie gestalteten sich vielmehr wie eine Art „Was bisher geschah“.

Mit ungeheurer Geschwindigkeit jagte ich durch die Zeit. Ich rammte Quastenflosser, Dinosaurier, Cro-Magnon-Menschen und fetzte über die weltpolitische Ereignisse der vergangenen Jahrzehnte dahin, als säße ich in einem intergalaktischen Abfangjäger. Ich konnte beobachten, wie die Lifestyle-Nazis der NSDAP 3.0 ganz Europa überrollten, wie sie Amerika und Südafrika unterwanderten und in den neuen Tigerstaaten Asiens ihre Marionettenregimes errichteten.

Mein temporaler Wettlauf fand ein jähes Ende. Wie bei einem kaputten Röhrenfernseher löste sich die düstere Szene plötzlich in flimmernde Halbzeilen auf. Ein schrilles Geräusch weckte mich endgültig aus dem Alptraum. Schön, doch nicht tot zu sein, und schön, wieder in die Realität zurückzukehren, die sich allerdings ruhig von einer verheißungsvolleren Seite hätte zeigen können.

Statt in einem sauberen Krankenhausbett in Chelsea lag ich auf einer regennassen Straße, die von mehrstöckigen Backsteingebäuden gesäumt war. Wo war ich? Warum trug ich einen sauteuren Gucci-Fetzen, den ich mir bei meinem Minusstand am Konto doch niemals leisten hätte können? Und noch einmal: Was war passiert?

Ich blickte mich um, aber viel konnte ich nicht sehen. Es war Nacht und eigentlich kein Mensch da. Dafür bewegte sich etwas entfernt Menschenähnliches auf mich zu, und das gleich in mehrfacher Ausführung. Zwischen dichten Nebelschwanden wurden langsam dunkle Silhouetten sichtbar. Der Klang ihrer schlurfenden Schritte mischte sich mit beunruhigenden, grunzend-stöhnenden Urlauten. Als ich mich aufrichtete, registrierte ich leicht nervös, dass mich die Gestalten bereits umringt hatten. Im matten Licht einer einsamen Galgenlaterne schimmerte das ganze Ausmaß ihrer Abscheulichkeit. Faulige Haut hing in fleischigen Fetzen von bleichen Gebeinen. Zumindest war das mein erster Gedanke. Als ich näher hinsah, bemerkte ich, dass die hellen Stellen gar keine Knochen waren, sondern unzählige fette weiße Maden, die in den Wunden ihr Hors d’œuvre einnahmen. Bon appétit! Die abgemagerten Wirtskörper des Ungeziefers starrten mich nur an. Regungslos. Ihre Augen hatten eine ungesunde gelbe Farbe und glühten regelrecht in der Dunkelheit.

Text und Foto veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des evolver-Verlags

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