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Pol Pot Polka als kostenloses eBook

Pol Pot Polka

Ein Roman von r.evolver

Wer waren diese lebenden Toten, die mir offenbar ans Leder wollten? Irgendwie sahen sie aus wie die Golfliga des Satans. Tatsächlich, diese Zombie-Typen trugen schicke Peak-Performance-Sweater und waren mit Irons bewaffnet. Dunkle Flecken an den massiven Schlägerköpfen zeugten davon, dass die soliden Sportgeräte schon einige Schädel auf dem Gewissen hatten. Wahrscheinlich sollte meiner der nächste sein.

„Guten Abend!“ wünschte ich den verrottenden Herren freundlich. Was hätte ich auch anderes sagen sollen?

Die Antwort kam umgehend – und zwar in Form aufgeregter, kehliger Laute, die unartikuliert aus faulig stinkenden Mäulern drangen. Das kollektive Knurren der Horde hatte nichts Menschliches an sich und hörte sich gefährlich nach einem Angriffssignal an.

In so einer misslichen Lage hilft in der Regel eine paradoxe Intervention. Soviel zur Theorie. Die Praxis ist ein bisschen spritziger: „Wo geht’s denn hier nach London?“ Kaum hatte ich’s gesagt, wirbelte mein Arm schon um den Hals des erstbesten Freaks. Ich drückte ihm mit aller Kraft die Kehle zu: „Zurück, sofort! Oder euer Freund ist hinüber!“

Die anderen erstarrten.

„Hören Sie auf!“ Eine der dunklen Gestalten hatte sich aus dem Ring gelöst. Der Kerl war kleiner als die anderen. Seine Stimme klang wie eine Mischung aus Ozzy Osbourne und Blechkanister, was daran lag, dass er sich über eine Kehlkopfkanüle verständigte. Lustigerweise trug er eine Lucha-Libre-Maske. Mit der knallbunten Verkleidung auf dem Schädel sah er aus wie ein Ringer aus Südamerika. Befand ich mich etwa in dieser Weltgegend? Obwohl – das T-Shirt des Möchtegern-Wrestlers stammte ja eher aus Soho. Auf dem Brustteil prangte ein verwaschenes Motiv: DAMNED DAMNED DAMNED. Wie passend …

Mit einer kurzen Handbewegung gab der Maskenmann seinen Monsterkollegen einen stummen Befehl. Sofort lösten die Orkus-Golfer den Ring um mich und traten einen Schritt zurück. Dann kam der mysteriöse Boss der Bande langsam auf mich zu: „Lassen Sie ihn los.“

Ich lockerte kurz den Arm, worauf ein langgezogenes Keuchen wie aus einer defekten Vakuumpumpe ertönte. Damit war meine Kompromissbereitschaft aber auch schon ausreichend demonstriert. Ich fixierte die Kehle meiner Lebensversicherung gleich noch einmal im Schraubstock. Und diesmal sogar noch ein bisschen fester.

„Falls Sie’s noch nicht kapiert haben“, ergriff der Lucha-Libre-Ringer erneut krächzend die Initiative, „wir haben Ihnen gerade das Leben gerettet.“

Gerettet?! Mich?! Ich überlegte kurz, in welcher tödlichen Gefahr ich geschwebt haben konnte … Aber die ganze Grübelei war sowieso für die Katz. Meine jüngste Vergangenheit versteckte sich konsequent hinter einem pechschwarzen Gedächtnisvorhang. Nun, vielleicht ließ sich ja jetzt ein wenig Licht in die Angelegenheit bringen: „Wo bin ich, wie komme ich hierher?“

Mr. Damned starrte mich überrascht an: „Das wissen Sie nicht?!“

„Sehe ich aus, als wären blöde Fragen mein Hobby?“

„Ich schlage vor, Sie initiieren Ihren Selbstfindungsprozess an einem gemütlicheren Ort“, bröselte es hochgestochen aus der Kanüle.

„Nix da! Was läuft hier? Spucken Sie’s aus, sonst ist Ihr halbtoter Freund bald ein ganz toter!“

„Das halte ich für keine gute Idee.“

„Haben Sie eine bessere?“

„Das hoffe ich, sonst haben wir nämlich alle ein Problem.“

Fragend zog ich die Augenbrauen nach oben.

„Drehen Sie sich doch einmal um.“

Ohne meinen Griff auch nur eine Sekunde zu lockern, wandte ich kurz den Kopf. In diesem Augenblick brachen schwarzgekleidete Figuren aus dem Zwielicht. Wer war denn das schon wieder?!

Text und Foto veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des evolver-Verlags

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