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Sardische Nächte als kostenloses eBook

Sardische Nächte

Ein Krimi von Marc Berger

Der Boden war gefliest, es gab keine Anzeichen für ein Fenster, und Nick konnte sich auch nicht vorstellen, dass - egal welche schmerzreichen oder lustvollen Laute hier von sich gegeben wurden - diese Laute jemals irgendjemand anderer gehört hatte als ihr Verursacher.

Nick dreht sich um und erschrak heftig. Vor ihm baute sich eine Gestalt mit dämonischem Grinsen auf. Gracia nahm die Maske ab. »Hören Sie mal, ich hab ja schon einiges gesehen, aber müssen Sie mich absichtlich so erschrecken?«, protestierte Nick gereizt und entkrampfte die automatisch zur stählernen Faust geballte Rechte, ohne dass Gracia es sehen konnte. Gracia reagierte nicht auf Nicks Worte. »Das ist eine Maske, die bei einer religiösen Prozession getragen wird und die innere Dämonen symbolisieren soll. Scheinbar geht dieser Dämon auf die urzeitliche Kultur Sardiniens zurück. Dieser Dämon ist ein Jäger, ein Seelenjäger.«, erklärte die junge Frau und legte die Maske auf den Sitz des Metallgestells. Nick meinte in der Geste etwas Zärtliches gesehen zu haben.

Abrupt wendete sich Gracia ab, um das private Folterkabinett zu verlassen. Doch sie drehte sich nochmals um und fragte Nick: »Sind Sie ein Jäger, Mister Hanther!?« Nick verneinte. »Mein Nachname wird nicht wie das englische Wort hunter geschrieben«, begann Nick sachlich zu erklären, brach aber ab, als er Gracias Blick auffing, in dem er meinte, Glut und Neckerei lesen zu können. »Sind wir nicht alle auf die eine oder andere Art Jäger und Sammler?«, entgegnete er charmant. Gracia und Nick blickten sich lange an. Das war eine offene Herausforderung. Hinter ihnen war Jasmin Sauer in den Raum getreten und gab Laute des Entsetzens von sich. »Du meine Güte, ich hatte ja keine Ahnung von der Existenz eines solchen…«, Jasmin suchte nach einer passenden Bezeichnung. Scheinbar wollte sie nicht einfach »Zimmer« oder »Raum« sagen, »einer solchen Örtlichkeit. Das versichere ich Ihnen.« Sie schoss einige Fotos, blieb dann vor einem gläsernen Dildo stehen. »Was ist das hier?« »Das Spielzimmer der Erwachsenen.«, sagte Nick trocken. Gracia lachte. »So etwas habe ich noch nie gesehen.«

Jasmin blickte Gracia und Nick entschuldigend an. Die warfen ihr beinahe einen mitleidigen Blick entgegen, woraufhin Jasmin die Schamröte ins Gesicht schoss. Unsicher stotterte sie: »Also so meinte ich das jetzt nicht. Natürlich hab ich…« »Es ist schon gut, Frau Sauer.«, sagte Nick, nachdem er sie einige Augenblicke hilflos nach einer Erklärung hatte suchen lassen, nicht ganz frei von der Genugtuung, seiner hochnäsigen Kollegin eines auswischen zu können. »Wir wissen schon, wie Sie das meinen.«

Viel wichtiger war jedoch, was Nick damit nicht aussprach. Und Jasmin verstand den Seitenhieb nur allzu deutlich. Sie warf Nick einen vernichtenden Blick zu, den er mit einem lässigen Lächeln quittierte, als wollte er sagen: »Schätzchen, dann liefere mir nicht eine solche Steilvorlage.«

Gracias Handy klingelte. Sie verließ den Raum und führte ein auffällig kurzes Gespräch. »Ich muss zu einem Termin. Ich melde mich dann bei Ihnen bezüglich des Kaufvertrages.« Sofort war Jasmin Sauer wieder in ihrem Element und verkündete wortreich, wie glücklich sich Gracia schätzen könnte, eine solche Immobilie zu erstehen. Von diesem seltsamen Kabinett einmal abgesehen. Gracia lächelte mit der unverbindlichen Herablassung reicher Leute, die es gewohnt sind, umworben zu werden. Doch Nick spürte es gleich. Seiner Ansicht nach stimmte etwas nicht………..

Text und Foto veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Augenschein-Verlags

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