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1 - Angel im Hormonnebel

Die Location war eine der traurigen alten Villen in Bel Air. Auf den ersten Blick wirkte das Haus immer noch ziemlich großspurig, aber es hatte schon bessere Zeiten gesehen. Hier in L. A . ist Geld so trügerisch, und ein großes historisches Anwesen ist wie eine alternde Geliebte, deren Fetisch die plastische Chirurgie ist. Man hat einfach mehr davon, sich ein billiges, schickes Haus neu zu kaufen, statt das alte dauernd zu renovieren. Sonst bleibt einem irgendwann nichts anderes übrig, als die Villa für Pornoaufnahmen zu vermieten, damit man das löchrige Dach decken lassen kann.

Zwei verwachsene Granatapfelbäume bewachten das offene Tor. Der Boden unter ihnen sah aus wie ein Schlachtfeld aus zermatschten dunkelroten Früchten, die unter den Reifen meines schwarzen Minis knirschten und zerplatzten. Als ich die großzügig geschwungene Auffahrt hinauff uhr, sah ich mich schon dauernd nach Norma Desmond aus Sunset Boulevard um, die ihren Lieblingsschimpansen in dem verwilderten Rosengarten begrub. Es ging mir aber sofort besser, als ich Sams rote 84er Corvette mit dem Wunschkennzeichen sah. Sie stand neben einer wuchtigen Holztür, die gut in ein mittelalterliches spanisches Verlies hätte führen können. Ich stellte mich hinter Sams Corvette und nahm mein altes Setköfferchen vom Beifahrersitz. Vor der Corvette standen ein paar andere, mir unbekannte Wagen, ein unauffälliger Mittelklasse-Mietwagen und ein aufgemotzter schwarzer Ferrari, der bestimmt Jesse gehörte. “Käuflicher Schwanz” stand dem Schlitten förmlich auf die Kühlerhaube geschrieben. Direkt vor dem Ferrari parkte der verbeulte blaue Honda Civic, mit dem ich schon bald so innige Bekanntschaft schließen würde.

Ich habe seitdem so viel über diese paar Minuten in der Auffahrt nachgedacht und mich gefragt, warum ich nicht sofort Verdacht geschöpft hatte, warum ich einfach reingeschneit war wie ein kaum volljähriges Dummchen aus der Provinz. Ich rede mir ein, dass alles so gekommen war, weil ich Sam vertraute, weil er seit zwanzig Jahren mein Freund war. Aber wenn ich ehrlich bin, war das nur teilweise der Grund. Ich hatte schlicht und einfach das weibliche Äquivalent eines Ständers. Alles Blut aus meinem Gehirn war zwischen meine Beine geströmt. Seit einem halben Jahr war ich so mehr oder weniger mit dem Bassisten einer Rockabillyband zusammen, aber das war mittlerweile reichlich öde geworden, und ich war dabei, mich nach was Neuem umzusehen. Seit drei Wochen hatte ich keinen Sex mehr gehabt. Jetzt war ich total im Hormonnebel, mein Gehirn hatte sich verabschiedet beim Gedanken an Jesses schlanken, muskulösen einundzwanzigjährigen Körper. So rannte ich mit der Möse voran in die Falle.

Die Räder meines Köfferchens holperten über das geborstene Pflaster, und das einsame Geräusch hallte unpassend laut in dem verlassenen Hof wider. Die Tür war nicht abgeschlossen. Ich dachte, dass sie vielleicht gerade Dialog oder mit O-Ton drehten, deshalb klopf te ich nicht, sondern schlich hinein.

Als Erstes fiel mir auf, dass nirgends Möbel standen. Der Raum war riesig, mit einer Decke wie eine Kathedrale. Spanische Fliesen auf dem Boden und ein wuchtiger schmiedeeiserner Kronleuchter an einer Kette, wie gemacht für Zorro, um sich über die Bösewichter hinwegzuschwingen. Die großen Fenster waren mit milchiger Folie zugehängt, die die Nachmittagssonne weich und gedämpft durchscheinen ließ. Es roch nach frischer Farbe.

“Angel?”, ertönte Sams Stimme vom oberen Ende einer elegant geschwungenen Treppe herab. “Bist du’s?”

“Ja”, antwortete ich und spähte die Treppe hinauf.

“Wir sind hier oben”, sagte Sam.

Ich schob den Teleskopgriff meines Köfferchens zusammen und trug es die Treppe hinauf. Glücklicher weise war es klein und fast leer. Sam hatte gemeint, ich bräuchte nur Dessous und hohe Absätz e, deshalb war ich kurz bei mir vorbeigefahren und hatte mir ein paar Garnituren und Strümpfe zur Auswahl geschnappt. Seit Jahren hatte ich meine Setkoffer nicht mehr auf Abruf parat, in denen alles säuberlich in verschließbare Plastiktüten verpackt und beschriftet war mit “Fetisch Schlampe” oder für 2Mädchen von Nebenan”.

“Sam?”, rief ich, als ich oben angekommen war.

“Hier hinten.” Sams Stimme er tönte vom Ende eines langen Korridors.

Ich sah eine halb offene Tür, hinter der es hell erleuchtet war, und ging darauf zu. Keine dicken gelben Kabel waren am Boden festgeklebt, die umliegenden Zimmer waren nicht voller kichernder Mädchen, die ihre Implantatnarben überpuderten und sich falsche Wimpern anklebten. Niemand stand herum, rauchte oder hatte ein Handy am Ohr. Nur dieser lange, leere Korridor. Ich bilde mir ein, dass ich in diesen Sekunden so langsam anfing, mich ein bisschen zu wundern, aber ich machte nicht kehrt. Ich schob einfach die Tür weiter auf und ging hinein.

Das Zimmer am Ende des Korridors war leer bis auf ein großes schm iedeeisernes Bett mit einer kahlen, plastikumhüllten Matratze. Sam stand an der gegenüberliegenden Wand neben einem leeren Kamin. Zwei weitere Männer waren da, die ich nicht kannte, aber ich bekam auch nicht viel von ihnen mit, weil direkt neben der Tür Jesse stand und zum Anknabbern aussah mit den verwuschelten dunklen Haaren und dem blauäugigen Schlafzimmerblick. Er war schon startklar. Seine Lederhosen hingen so tief auf den schmalen Hüften, dass man das Schamhaar hätte sehen können, wenn er nicht rasiert gewesen wäre. Sein glatter, schlanker Oberkörper war nackt und schimmerte vor Schweiß, der die symmetrische Perfektion jedes Muskels her vorhob. Er trat auf mich zu, ließ einen anerkennenden Blick über meinen Körper schweifen und lächelte.

“Angel Dare”, sagte er. “Wow. Du siehst umwerfend aus. Das wird ’ne tolle Sache.”

Er griff nach unten und packte sein berühmtestes Accessoire durch das enge Leder hindurch. Dann schlug er mir ins Gesicht.

Christa Faust, Hardcore Angel © Rotbuch Verlag, Berlin, 2008. Buchauszug und Abbildung mit freundlicher Genehmigung.

Aus der Reihe "Hardcore Angel" 16.02.2009 Weiter lesen

imageChrista Faust schrieb obige erotische Geschichte. - Wer interessant lebt, hat es wahrscheinlich leichter, von interessanten Dingen zu erzählen. Christa Faust (Foto links) lebt interessant. 1969 geboren, arbeitete die Blondine, die wahlweise auch als Brünette oder schwarzhaarige Femme Fatale auftritt, als Model für Fetischmagazine und produzierte sich als Domina in Peepshows am Times Square, New York. Vom verdienten Geld ließ sie Tätowierungen stechen. Oder sie legte die Dollars in edlen halterlosen Strümpfen an.

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Ein schwüler Mix aus Erotik und Thriller - Der Name ist Programm: Faust. Christa Faust. Die Amerikanerin hat einen Thriller geschrieben, der mindestens so hart ist wie ihr Name. "Hardcore Angel" erzählt die Geschichte der Angel Dare, einer Porno-Actrice, die den Aufstieg ins Porno-Produzentengeschäft geschafft hat. Bis zu dem Tag, da sie einen letzten Filmauftrag annehmen will ... Von einem Moment zum anderen bricht die heile (Porno-)Welt der hübschen Angel zusammen und sie gerät in einen Strudel aus Vergewaltigung, Mord, Verfolgung.

erotische geschichten

Die Erotik-Reihe "Hardcore Angel" - alle bisherigen Folgen

Die erste Geschichte der Reihe stehen in der Liste oben, neueste Liebesgeschichten stehen unten.

2 - Der Rosenknospenmund
3 - Im Bett mit Jesse
4 - Attacke auf Angel
5 - Nackte Füße auf dreckigem Beton

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