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6 - Finale in Moll

Im traurigen Takt finden sich unsere Körper. Der Doktor nimmt mich auf dem geheimen Lagetisch. Das Geigensolo eines einsame Virtuosen klingt leise aus den Lautsprechern, die sonst mit dem Lagezentrum in Berlin verbunden sind. Ein merkwürdiger Gegensatz: Sein in sich gekehrtes Gesicht über mir, seine geballte Lust in mir. Obwohl er über 50 Jahre ist, hat er die Kraft eines 20-Jährigen. Hart presst er sich an mich.

“Davon habe ich geträumt, Faye.”

Faye?

Mir gefriert geradezu das Blut in den Adern. Für ihn bin ich seit Monaten Irina, die unbedarfte 400-Euro-Kraft, die Töchterchen Alica betreut und den Haushalt des Doktors versorgt.

Er weiß also von meinem Doppelleben?

Mein Gesicht spiegelt meine Überraschung. Das belebt ihn. Er lächelt zum ersten Mal heute Abend.

“Ich weiß alles”, sagt er und beschleunigt den Rhythmus. Gut tut das, was er da mit mir macht. Es kribbelt mir tief unten.

“Mmh, Faye, ich bin froh, wenn wir keine ... mmh, ahh ... Geheimnisse voreinander mehr haben müssen.” Noch einmal presst er sich an mich, drängt seinen Samen in mich hinein.

“Ich liebe dich”, haucht er mir erschöpft ins Ohr. “Wir könnten ...”

Ich legte ihm meine Finger auf seine Lippen, bevor er mir von seinen Träumen erzählt. Er ist Witwer, kennt seit seiner Ernennung zum Chef des geheimsten Geheimdienstes der Republik nur seine Arbeit, seine Konferenzen und Dossiers.

“Ich liebe dich, Faye”, setzt er erneut an.

Ich schaue ihn an. “Aber ich liebe dich nicht, Doc.”

“Sympathie?”, bettelt er.

Ich nicke bedächtig. “Mehr als das. Aber auch ein Geschäft.”

“Ich weiß.”

Er kann nicht wissen. Alles kann auch ein Geheimdienstchef nicht wissen. Schon gar nicht die Gedanken einer Frau.

“Du bist nicht verheiratet”, sage ich und es fällt mir schwer, “es ist nichts dabei, wenn du dich mit Damen triffst. Aber die Spiele, die du dabei veranstaltest ...”

“Das geht dich nichts an!” Seine Nasenflügeln beben.

“Sie machen dich erpressbar.”

“Was weißt du?”

“Genug.”

“Das ist zu wenig.”

“Genug, damit du mir sagst, wer der Vater meiner Tochter ist.”

“Deswegen hast du mein Arbeitszimmer durchwühlt, Faye?”

“Du kennst den Vater meiner Tochter. Du weißt seine Identität?” Es klingt flehender, als ich will.

Bedächtig senkt er den Kopf. “Ich kann es dir nicht sagen. Ich darf es nicht.”

“Dann werde ich die Kaviar-Fotos ...”

“Nein!” Er fasst mich fest am Oberarm, überlegt es sich, lässt mich los. “Eigentlich müsste ich dich erschießen.” Plötzlich hat er eine Luger in der Hand, hervorgezogen aus einem geheimen Fach unter dem Lagetisch. “Du würdest einfach aufhören zu existieren. Keine Fragen, keine Probleme. Du hast nie existiert.”

“Darin habt ihr Erfahrung”, bin ich überzeugt; und fühle mich ungemütlich.

Er lässt die Waffe sinken. “Ich kann es nicht. Ich liebe dich.”

“Wer ist der Vater meiner Tatjana?”

“Es ist ...”

Ein Schuss knallt und das Dröhnen, das ist Betonwände zurückwerfen, ist ohrenbetäubend. Sinnlos halte ich mir die Ohren zu, sie klingeln, werden taub. – Erst dann sehe ich, dass der Doktor zusammen gesunken auf dem Lagetisch liegt. Seine Augen sind glasig, ein starres Lächeln hat er auf den Lippen. Blut sickert auf den grünen Filz. Schlaff hängt sein Penis herab. Ein Bild des Jammers.

Schanditt zieht mich vom Tisch herunter, meine Beine sind kraftlos, Schanditt schleift mich aus dem Lageraum.

“Wir müssen uns beeilen”, sagt der Adlatus des toten Doktors und steckt seine Dienstwaffe in den Holster unter der Achsel.

“Sie haben ihren Chef erschossen!”, schreie ich, und meine Stimme dringt nur wie ein Flüstern durch die vom Pistolenschuss tauben Ohren in mein Hirn.

Er hält mir den Mund zu. “Wenn Sie nicht ruhig sind, muss ich sie töten.”

“Erschossen!”, gurgele ich.

“Er ist nicht mein Chef. Nie gewesen. Das ist ein anderer.”

* * *

Allein sitzt er mir gegenüber. Er, den ich seit Monaten gesucht habe. Für Agenten westlicher Geheimdienste ist er ein Phantom, das sie seit dem Ende des Kalten Kriegs vergeblich jagen: der Stählerne. Chef der Lubjanka, Kommandeur des mächtigen Gruppe M, in welcher er die besten Agenten zusammengezogen hat, die das neue Russland aufzubieten hat. Er hat die Beine übereinander geschlagen, wippt entspannt mit dem Unterschenkel und lächelt mich an. Freundlich soll es wirken, aber er kann nicht anders, als verschlagen zu lächeln, seit ihm ein Hieb meines Vaters die Nervenbahnen oberhalb der Lippe durchtrennte. Seinen massigen, immer noch trainierten Körper hat der Stählerne in einen Anzug aus der Savile Row gezwängt.

“Du wirst mir verraten, wer der Vater meiner Tatjana ist”, bluffe ich, denn nichts habe ich zu fordern. Ich kann froh sein, wenn ich den dunklen Raum lebend verlassen darf.

Er antwortet: “Wenn du noch einmal mit mir schläfst.”

Fragmente eines grausigen Films blitzen in meinem Kopf auf. Die Keller der Lubjanka. Weiße Fliesen, roter Ausfluss, Hautergüsse, lachende Schergen – und sein Schwanz, der immer wieder ... nein, ich schüttele die Erinnerungen ab und zwinge mich, meinen Peiniger anzusehen.

Er steht auf. Groß ist er, stark, das Gesicht jetzt wie gemeißelt: slawische Züge, die Falten neben den Mundwinkeln haben sich tief gegraben mit den Jahren. Ich werde mich ihm nicht hingeben. Ich werde ihm in die Eier treten. Und wenn es das letzte ist, was ich tue.

Ich springe auf, hole aus. – Da packen mich Arme von hinten, zwingen mich zurück auf den Stahlrohrsessel, binden mich. Aus den Augenwinkeln sehe ich Schanditt und einen muskulösen Helfer.

Der Stählerne hält eine Spritze; und ein Grinsen flattert über seine entstellte Oberlippe. Eine farblose Flüssigkeit tropft von der Spitze, läuft den polierten Stahl entlang auf seine manikürten Finger.

“Faye, du bist stark. Darum habe ich dich damals erwählt ...”

“Nein!”

Die Spitze durchsticht die Haut und mit einem Stoß jagt der Stählerne die Droge in mich hinein. Unmittelbar legt sich Watte über mein Bewusstsein.

Tief kommt er in mich hinein, unzählige Male. Dabei schlägt er mir auf den Po. Ich fühle nichts. Keinen Schmerz, keine seiner Berührungen, keine Lust. Seine Helfer haben mich auf den Boden gelegt. Estrich, grau glänzend gestrichen. Wie in der Lubjanka. Damit das Blut nicht einsickert, sondern abgewischt werden kann. Ich registriere die Kälte nicht. Da ist bloß Leere.

Immer wieder bewegt sich mein Körper..

“Ich mache es dir, Faye.”

Schweiß tropft von seiner Stirn auf meine Brüste.

“Ich mache es dir gut, nicht wahr, Faye?”

Mein Mund ist trocken. Ich will dem Stählernen eine Verwünschung entgegen schleudern. Nur ein Husten kommt heraus.

Und immer noch tut er es weiter.

Plötzlich fühle ich Wärme in meinem Bauch. Die Betäubung lässt nach. Der Stählerne drängt sich ein letztes Mal mir entgegen, keucht, sackt dann schwer über mir zusammen.

Ich fühle ihn jetzt ganz. Seine erloschene Kraft, seine Schwere, seine Brutalität. Verkrampft liege ich auf dem Estrich, starr wie ein Brett und die Kälte kriecht in mir hoch.

Diesen Mann hasse ich, wie ich noch nie jemanden gehasst habe.

“Wer ... wer ist der Vater meiner Tochter?”, bringe ich hervor: In einer Betonung, als sei unser Gespräch nur durch einen Toilettengang unterbrochen worden.

“Deiner Tochter?”, fragt der Stählerne und seine höhnischen Augen sind nur Zentimeter von meiner Nasenspitze entfernt. Sein schwerer Atem streicht über meine Wangen. “Sie ist nicht deine Tochter, Faye.” Er rollt sich von mir ab.

Alles kann er mir einreden. Aber eine Mutter weiß, dass sie Mutter ist. Auch der mächtigste Geheimdienstchef kann das nicht ändern.

Der Stählerne steht über mir und zeigt sein verschlagenes Lächeln und sagt: “Sie ist meine Tochter.”

“Nein”, ich begreife nicht, “meine Tochter, meine Tatjana.”

“Unsere, Faye. Unsere. Du erinnerst dich, damals im Untergeschoss der Lubjanka ...”

Ich will mich nicht erinnern. “Das kann nicht sein”, flüstere ich. Umbringen werde ich ihn. Bald. Falls er mich hier lebend heraus lässt.

“Ich weiß sogar noch mehr, Faye. Ich weiß, wo unsere Tochter wohnt.”

Und nie würde er es mir verraten.

“In Berlin. Schlecht geht es ihr dort, Faye. Wenn wir ihr nicht helfen.”

Ende der Serie

Aus der Reihe "Die Liebesagentin" 09.12.2008 Weiter lesen

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Die Erotik-Reihe "Die Liebesagentin" - alle bisherigen Folgen

Die erste Geschichte der Reihe stehen in der Liste oben, neueste Liebesgeschichten stehen unten.

2 - Bekenntnisse einer Stripperin
3 - Sex im Kirchenschiff
4 - Die Dehnung des Kellners
5 - Mutters Mahnung
1 - Die Viper vor dem Biss

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