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4 - Die Dehnung des Kellners

“Auf das Bett!”, kommandiere ich dem Etagenkellner.

“Ja, Faye, wie du befiehlst.”

Wir kennen uns einen Vormittag. In seinen Augen habe ich gelesen, was er braucht ... Fast ist er mir hörig. Ich nehme die Spritze.

“Nein, bitte nicht, Faye!”

Natürlich will er es. Es ist seine Spritze. Er gestand mir, ein ganzes Arsenal davon zu besitzen. Ich ramme die Nadel in seinen Po, drücke die farblose Flüssigkeit ins Muskelfleisch. Der Kellner verdreht die Augäpfel.

“Du wirst mir doch nicht ohnmächtig, Sklave?”

“Nein, Faye. Ich verspreche es.” Er wispert es bloß, zwingt sich mit Gewalt, bei Bewusstsein zu bleiben.

Die Show macht mir Spaß. Eine der angenehmen Notwendigkeiten einer Agentin ist, ab und zu in ungewöhnliche Rollen zu schlüpfen und auf ungewöhnliche Menschen zu treffen: wie diesen unscheinbaren Zimmerkellner. Blond, blauäugig, hochgewachsen - Prachtexemplar eines deutsprachigen Schweizers, der im noblen “D’Angleterre” am Ufer des Genfer Sees gutes Geld verdient.

Mit glasigen Augen schaut er mich an. Ich ziehe die Lackhandschuhe aus und frage: “Wie besprochen?”

“Ja, Faye, wie du befiehlst. Du kannst hier alles machen. Ich werde dich in Ruhe lassen und das Zimmermädchen wird dich nicht stören.”

Hart schlage ich ihm auf die Brustwarzen.

Er zuckt zusammen, und seine Lippen werden zu Strichen.

Noch einmal.

“Bitte, Faye, das ... ahh.” Tränen treten ihm in die Augen, er schwillt an.

“Jetzt dreh dich um, du Nichtswürdiger.”

Ich ziehe ihm die Pobacken auseinander.

“Ist das kalt, Faye!”

Er spürt das Metallröhrchen.

“Faye, mmah, tiefer, jaah.”

Schon ist es so weit ... Aber ich bin noch nicht fertig. Längst erregt mich das Spiel ebenso wie den Kellner.

Der Kellner wimmert ... und dann, nach wenigen Momenten ... auf das vom Mädchen vor Minuten frisch bezogene Bett.

“So eine Scheiße”, flucht er - und fährt sich gleichzeitig immer wieder über das erschlaffte Glied, das bald eine neue Erektion bekommt.

“Ich glaube, das musst du sauber machen. Jockel dürfte bald von seinem Spaziergang zurückkehren, nicht wahr?”

Während der Kellner das Bett säubert und bezieht, installiere ich mit einigen Handgriffen Mini-Videokameras und Mikrofone in den Deckenstuckfalten des luxuriösen Hotelzimmers. Zusätzlich bekommen Jockels heller Mantel und sein Jackett kleine Mikrofone. Mit Glück wird er eines der Kleidungsstücke in entscheidenden Momenten tragen. Alica, die altkluge Tochter des Doktors, hat mich mit dem teuren Spezialwerkzeug aus den Beständen ihres Vaters versorgt. Sie will ebenso wie ich wissen, wer hinter ihrer versuchten Entführung wirklich steckt. Sie freute sich, als ich ihr erklärte, ich würde einige Tage Urlaub nehmen und Jockel hinterher fahren.

Der Kellner und ich sind kaum aus dem Zimmer, als Jockel uns auf dem Hotelflur entgegen kommt. Nichts ahnend geht er vorbei: Wieder nehme ich seinen Mundgeruch wahr, sehe seine mit Gel streng zurück gebürsteten störrischen Haare. Er ist einen Kopf kleiner als ich, besitzt den federnden Schritt eines trainierten Kampfsportlers. Ob er ebenso wie ich ein Abtrünniger der Lubjanka ist? Die Mikros werden es verraten ...

* * *

Die Wartezeit vertreibe ich mir auf dem Bett meines Hotelzimmers mit dem Abhören der Telefonaufzeichnung, die wir dank Alicas Cleverness gewonnen haben:

“Du verlangst ein ‘Journal de Genève’. Der Mann an der Rezeption wird dir antworten: ‘Das gibt es seit über zehn Jahren nicht mehr.’ Daraufhin verlangst du eine ‘Basler Zeitung’ und bezahlst mit einem 500-Euro-Schein. Der Mann wird ihn akzeptieren und dir kein Wechselgeld heraus geben. In der ‘Basler’, die er dir über den Tresen reicht, findest du einen dicken braunen Umschlag ... Öffne ihn erst, wenn du wieder an einem sicheren Ort bist: Zu viele Menschen träumen davon, 250.000 Euro in die Finger zu bekommen. – Aber was auch passieren wird, nehme nie wieder Kontakt mit mir auf. Sonst wirst du Besuch von jemandem bekommen, den wir alle nicht gern empfangen.”

Das Klicken, als der Stählerne den Hörer auflegt, ist noch zu hören, dann endet die Aufzeichnung. Irgendwo in Genf würde der Stählerne heute sein, ich muss ihn bloß noch finden ... Offensichtlich hat Jockel den Anruf für bare Münze genommen und ist in seiner verzweifelten Suche nach Einnahmen nach Genf gereist, um die 250.000 Euro abzuholen, kurz bevor der rechtmäßige Empfänger an der Rezeption steht ... Als wenn Geld so einfach zu verdienen wäre ... – Oder ist es so einfach, muss man bei einer sich bietenden Gelegenheit nur beherzt zugreifen? Ganz habe ich den Kapitalismus noch nicht verstanden. - Es bleibt keine Zeit zum Nachdenken. Auf den Flachbildschirm, der Jockels Zimmer zeigt, kommt Bewegung: Jockel ist eingetreten, nimmt einen Orangensaft aus der Minibar und setzt sich ans Telefon. Der Ton ist ausgezeichnet.

“Ich zahle dir das Geld zurück, Hoss. Bestimmt.”

“Wann?”

“Morgen Abend. Versprochen.”

“Mit Zinsen, Jockel, klar? Also legst du oben drauf die Aufnahmen vom Doktor.”

“Aber ...!”

“Als Zinsen.”

“Aber das sind meine. Ich habe sie gemacht.”

“Sonst bist du tot, Jockel.”

Was für Aufnahmen?, frage ich mich.

“Bring sie mit, Jockel, ich will sie haben.”

“Aber die sind mehr wert als die Zinsen. Die sind Tausende wert!”

“Du bringst sie mir, oder du bist tot.”

Was für Aufnahmen vom Doktor können so viel Geld wert sein? Nur eine Möglichkeit fällt mir ein: Es mussten kompromittierende Bilder sein. Fotos, mit denen der Doktor erpressbar ist.

 

* * *

Die Einrichtung des “Beau Rivage” besitzt noch genau die ungewöhnliche Mischung aus Modernität und teurer Plüschigkeit, die mir vor Jahren beim Anschauen eines Lehrvideos in der Lubjanka über beliebte Agententreffs im Westen aufgefallen ist. Pünktlich um 20 Uhr sitze ich in einem der Sessel am Kamin schräg vom Eingang und beobachtete die Rezeption.

Hektisch kommt Jockel herein, bekleidet mit seinem hellen, dünnen Mantel, Schweißperlen auf der Stirn. Er schaut sich um, eilt an der Rezeption vorbei zum Restaurant. Dabei rempelt er einen noch kleiner als Jockel gewachsenen Mann an, der mir zuvor nicht aufgefallen ist, da er sich an eine der Säulen gedrückt hat. Das Malheur macht Jockel noch nervöser: Ich höre in meinem Ohrstöpsel seinen stoßweisen Atem. Jockel zögert vor dem Betreten des Restaurants. Als der kleine Mann das Hotel mit einem Kopfschütteln verlässt, dreht Jockel sich abrupt um und geht zur Rezeption. Er zieht einen 500 Euro-Schein – steckt ihn wieder ein, besinnt sich und fragt:

“Haben, äh, haben Sie ein ‘Journal de Genève’ für mich?”

“Das gibt es seit über zehn Jahren nicht mehr.”

“Dann nehme ich eine ‘Basler’.”

Die Augen des Hotelbediensteten werden schmal. Sie mustern Jockel.

“Eine ‘Basler Zeitung’”, haspelt Jockel. Er hat kaum genug Atem für die drei Worte. Auf das blank polierte Resopal legt er den Fünfhunderter und streicht ihn glatt.

Der Mann hinter dem Tresen zögert. Endlich langt er unter den Tresen und holt etwas hervor. Er nimmt eine “Basler Zeitung” aus dem Ständer links und steckt den hervorgezogenen dicken braunen Umschlag hinein, bevor er Jockel die Zeitung reicht. Den Fünfhunderter lässt der Hotelmann in der Jackentasche seiner Uniform verschwinden.

Ohne ein weiteres Wort wendet sich Jockel zur Tür, überblickt noch einmal den Raum und ist schon auf dem Quai Mont Blanc. Ich springe auf und laufe hinterher, kann Jockel aber nur noch im Fond eines Taxis entdecken, das davon braust in die Nacht.

In meinem Ohr höre ich Jockels pfeifenden Atem, unterbrochen von stärker werdenden Funkstörungen.

Fortsetzung folgt

Aus der Reihe "Die Liebesagentin" 10.09.2008 Weiter lesen

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Die Erotik-Reihe "Die Liebesagentin" - alle bisherigen Folgen

Die erste Geschichte der Reihe stehen in der Liste oben, neueste Liebesgeschichten stehen unten.

2 - Bekenntnisse einer Stripperin
3 - Sex im Kirchenschiff
5 - Mutters Mahnung
6 - Finale in Moll
1 - Die Viper vor dem Biss

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