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3 - Sex im Kirchenschiff

Der Kidnapper macht einen Schritt zur Seite, um meinen Angriff abzuwehren. Aber er ist zu langsam mit dem Kind unter dem Arm, das sich wehrt und strampelt. Der Schlag meiner Faust trifft ihn wuchtig am Kopf - heftig lande ich Sekundenbruchteile später auf dem schweren Teppich, welcher die Eingangshalle der Villa des Doktors ziert.

Eine nackte Frau, die kämpft und ihm die Flucht verwehren will: Der maskierte Kidnapper ist irritiert. Immer noch hat er die Tochter meines Chefs fest im Arm. Aber er liegt auf den Fliesen, ist benommen. Brutal trete ich ihm mit dem Ballen gegen den Kiefer. So habe ich es gelernt. Der Kiefer bricht, der Vermummte stöhnt auf und lockert den Griff um das Kind.

Ich reiße ihm die Sturmmütze vom Kopf, dabei fällt ein blutiger Zahn aus dem Stoff auf den Teppichflor. Mich umfängt Männer- und Mundgeruch. Auch Angst und Dummheit rieche ich. Wütend wirbelt der Entführer seine schwarz glänzenden Locken herum. Gel sollte die Haare bändigen, ursprünglich waren sie aus der Stirn zurückgebürstet. Hart drehe ich ihn auf den Bauch, verdrehe ihm den Arm hinterm Rücken. Seine Augen leuchten feurig dabei. Als er – immer noch mit hinter dem Rücken verdrehten Arm – aufstehen darf, erkenne ich, wie klein er ist. Dabei jedoch so wohlproportioniert, dass die fehlenden Zentimeter nicht stören. Trotz der mangelnden Körpergröße und schwachen Intellekts darf ich den Mann nicht unterschätzen, er sieht durchtrainiert aus.

“I ... i ... ist nichts persönliches”, stottert er.

Endlich rappelt sich die befreite Alica, die Tocher meines Dienstherren, auf und schreit aufgeregt: “Lass ihn laufen, Irina, lass ihn laufen Irina!”

Ich bin irritiert, schaue vom Entführer zu der Kleinen. Diesen Moment nutzt der Verbrecher, um zu fliehen. Sofort setze ich ihm nach. An der Haustür der Villa wird mir bewusst: Ich bin splitternackt! Das würde Aufmerksamkeit bei den Schlapphüten erregen, die ich vermeiden muss, wenn ich weiter mein eigentliches Ziel verfolgen will.

“Lass ihn abhauen, Irina”, flüstert die kleine Alica altklug, “entkommen kann er doch nicht.” Die zwölfjährige Gymnasiastin mit den schulterlangen Haaren - die erst vor Minuten einen Entführungsversuch überstanden hat - ist erstaunlich ruhig. Das mag in den Genen liegen, Alicas Vater, der Doktor, ist Chef des geheimsten Geheimdienstes der Republik. “Ich habe ihm nämlich eine Wanze untergeschoben”, fährt das Mädchen mit kaum unterdrücktem Stolz in der Stimme fort.”

“So so. Eine Wanze”, sage ich und schmunzele dabei mütterlich.

“Ja, Irina. In die hintere Hosentasche. Wie Papa es mir gezeigt hat.”

Ich lache auf.

“Du glaubst mir doch, Irina?”

“Wir gehen jetzt besser nach oben in dein Zimmer und richten dich wieder her - oder müssen wir zum Arzt, dass er dich untersucht?”

Von oben stolpert Mike die Treppe herunter: “Ich geh dann mal lieber, Irina. Drei Frikadellen habe ich dir für heute Mittag neben den Herd gelegt.”

Mike, MCs Bulettenbringer, habe ich ganz vergessen! Wie lange mag er an der Balustrade oben gestanden und alles mit angehört haben? Aber Verfängliches habe ich nicht gesprochen. Als ich seine begehrlichen Augen auf meinem Leib spüre, erinnere ich mich an den Strip, den ich eben vor ihm abgezogen habe. Ich erinnere mich an seine ebenso scham- wie stillose Wichserei - und fühle mich plötzlich sehr nackt.

Mir fröstelt. Sollte Mike mit dem Entführer unter einer Decke stecken? Ich verwerfe den Gedanken, Mike besitzt nicht das entsprechende Format. Er ist so einfach strukturiert wie zu viele Männer; sonst hätte er längst seine Teilzeitjobs als Hackfleischlieferant und Eisverkäufer quittiert und etwas aus seinem Leben gemacht.

“Ohne Kleider siehst du anders aus, Irina”, schaut Alica an mir hoch.

Kein Wunder, denke ich, schließlich fehlt das tarnende Kissen um die Hüften.

Während ich Alica wortlos an die Hand nehme, und das Mädchen die Treppen hoch ziehe, begeistert sie sich für das Thema: “Dein Po ist dicker ...”

“Ich habe keinen dicken Po, Alica.”

“... da drüber aber bist du viel dünner als sonst.”

Das fehlende Kissen ...

“Bekomme ich auch so große Dinger wie du, Irina?”

“Was für Dinger?”

“Na, die da ...”

“Ich ziehe mich eben an”, entschlüpfe ich der Kleinen in die Küche. Und frage: “Wieso bist du eigentlich schon zu Hause?”

“Eine Schulstunde war ausgefallen! Irina, kommst du gleich herüber zu mir? Dann zeige ich dir, wie das mit der Wanze funktioniert.”

Sollte das Kind sich tatsächlich mit Abhörmikrofonen auskennen?

* * *

Der Inhaber des Juwelierladens persönlich will mir die Perlen um den Hals legen. Aber das lässt sich MC nicht nehmen. Mit den Worten: “Für 40.000 Euro werde ich das Vergnügen haben dürfen?” nimmt er dem Juwelier die Perlen aus der Hand und legt sie mir behutsam um den Hals. Kühl fühlen sich die Perlen im ersten Moment auf der Haut an. Während MC in meinem Nacken den Verschluss bedient, kommen sie auf Körperwärme.

40.000! Am Hals trage ich sie, im Schoß fühle ich sie. MC machen sie glücklich, mich machen sie geil.

“Ich schenke gern”, erzählt er mit dem Ladenbesitzer, während er vor der antiken Registrierkasse den Scheck ausfüllt.

Wir müssen es tun, denke ich. Sofort, irgendwo hier in der Nähe. Mit den Perlen am Hals. Ich zupfe MC am Ärmel, er soll aufhören zu plaudern. Endlich treten wir aus dem plüschigen Geschäft von Juwelier Haban hinaus auf die Kärtner Straße. Ich ziehe MC hinüber zur Malteserkirche.

“Du hast es die ganze Zeit darauf angelegt, Faye”, erkennt MC. Halb drückt er, halb lege ich mich auf die alte Kirchenbank. Aufknarrend protestiert sie gegen das lüsterne Treiben. “Diese Pumps, dieser enge Ledermini unterm züchtigen Mantel. Da kann kein Mann klar bei denken.”

“Heilige Maria, du gehst aber ran, MC”, japse ich. Hoch über mir thront das Kirchenschiff. Von rechts und links flutet das Tageslicht Wiens herein: Die nach oben gotisch-spitz zulaufenden Fenster sind mit hellen Scheiben verglast. Einzig das Fenster hinter dem Altar ist aus kostbarem farbigem Glas, das ein wenig Licht schluckt. Wir werden uns nicht in eine dunkle Ecke zurückziehen können - was die Sache aber eigentlich nur noch spannender macht. Über mir schwankt der schwere Kronleuchter aus dunkel angelaufenem Messing, unter mir knarrt die Bank, und MC stößt mich.

Ich keuche, ringe nach Luft. Genau so brauche ich es jetzt. Bei jedem Stoß klirren leise die Perlen an meinem Hals gegen das Holz der Bank, auf dem schon so viele alte Mütterchen in stillem Gebet gesessen haben.

“Weiter, mach weiter, MC. Nimm mich richtig.”

“Aber, mmmh, wenn ich weiter mache, kommt es mir gleich.”

“Egal ...”

“Faye, oh, ah ...” Ich kralle die rotlackierten Fingernägel in seine Seiten. Er darf jetzt nicht aufhören, durchhalten, MC, durchhalten. “... Faye, ich liebe dich ... Faye, verzeihst du mir?”

“Was habe ich zu verzeihen?”, keuche ich.

“Das ich eifersüchtig war - auf ein lächerliches Foto.”

“Oh, du machst es mir so gut, MC. Es war auch nicht nett von mir, die erste Kette, die ich von dir geschenkt bekam, in den Reißwolf zu werfen ... oh, mach weiter, bitte.”

40.000 Euro hat ihn sein Anfall von Eifersucht in der letzten Woche gekostet. Glaubt er. Jetzt noch mal 40.000 für die neue Kette. Es ist erstaunlich, was seine Bulettenbraterei finanzieren kann. Muss daran liegen, dass er 47 Frauen in seinen Schnellrestaurants mit 6 Euro in der Stunde abspeist, gleichzeitig fast die Hälfte seiner Gerichte vor dem Finanzamt als “Außer-Haus-Lieferungen” mit dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7, statt vollen 19 Prozent abrechnet.

Aber so helle er im Geschäftsleben ist, so sehr vernebelt ihm die Liebe zu mir den Verstand im Privaten. Er ist mir hörig: abhängig von meinem Körper, meiner Liebe. Ein schwacher Mann. So schwach, dass ich mehr nehmen muss, als nur seine Liebe. Und bereit bin zu geben, was viele Männer vergeblich von mir begehren: körperliche Liebe und – intimer noch – das Geheimnis meiner wahren Existenz. Außer dem Stählernen weiß nur MC, dass ich Faye bin und ein Doppelleben führe. MC weiß es, weil er zu sehr liebt, um mir gefährlich zu werden. Und weil ich vielleicht doch ab und zu jemanden brauche, bei dem ich nur ich selbst sein kann: eine Frau, die begehrt und genommen wird. Ohne Fragen, ohne Hintergedanken. Einfach aus Liebe.

Zwei Stunden später sitze ich wieder auf Holz, habe wieder etwas zwischen den Beinen: nicht den Schwanz von MC, sondern meine Finger. Die es auch nicht schlecht können. In langsamem Rhythmus streicheln sie die feuchte Spalte. Den Minirock habe ich hoch geschoben, die Bankangestellte hat sich diskret zurückgezogen: Sie machen es immer so, wenn man an sein Schließfach möchte. Zuerst gehen sie mit dir hinunter ins Souterrain und schließen die Gittertür zum Safetrakt auf. Sie begleiten dich zu den Schließfächern. Die Angestellte und du müssen beide ihre Schlüssel hinein stecken und drehen. Dann öffnet sich das Schließfach und die Angestellte zieht sich zurück. Ich hole die Blechschatulle heraus und stelle sie auf dem Tischchen gegenüber der Schließfächer ab, setze mich und klappe sie auf.

Darin liegt auf rotem Samt die erste Perlenkette, das erste Geschenk von MC, von dem er glaubt, ich hätte es in den Reißwolf geworfen. Den Reißwolf habe ich nur mit einer Fälschung gefüttert ... Ich nehme die neue Kette vom Hals und lege sie daneben.

80.000 Euro für alle Fälle. Meine Unabhängigkeit, denke ich und mache mir schöne Gefühle. Die sich steigernde Erregung ist kaum zu kontrollieren, meine Hüften wiegen sich im Rhythmus der Finger. Ein unterdrücktes Stöhnen klingt in dem kleinen, nur von einer 60-Watt-Birne erleuchteten Raum lauter als gedacht. Ich schicke ein Husten hinterdrein und richte mich eilig her. In 90 Minuten geht mein Flugzeug zurück nach München, und es ist auch für einen versierten Taxifahrer schwierig, es in der knappen Zeit aus der Innenstadt von Bratislava hinaus zum Flughafen zu schaffen.

 

* * *

“Das ist langweilig, Irina”, kommentiert Alica, als ich in ihr Zimmer komme. Alica klingt, als würde sie gerade ein Playstation-Spiel wegsortieren, das für eine Altersstufe unter ihrer konzipiert worden ist.

Begeistert hat sie mir gestern die - eigentlich geheime - Abhöranlage ihres Vaters erklärt. Ihr Vater, von den meisten nur “Doktor” genannt, ist tagsüber im Dienst. Seine schlaue, 12jährige Tochter und ich hocken nun nachmittags in seinem privaten Arbeitszimmer vor der väterlichen Abhöranlage. Die Kleine hat ihrem Möchtegern-Entführer tatsächlich eine Wanze untergeschoben.

“Er telefoniert doch bloß jeden Tag wieder mit seiner Mutter”, beschwert sich Alica.

Diese ältere Frau hat den mir entflohenen Vermummten scheinbar tatsächlich mit Alicas Entführung beauftragt. Immer wieder putzt sie ihren Sohn herunter, da er sich von einer nackten Frau habe niederschlagen lassen und dadurch seinen Auftrag vermasselt habe.

“Du hast die Frau unterschätzt, Jockel!”, keift die angebliche Mutter.

“Ich wusste doch gar nicht, dass es eine Frau ist, Mama!”

“Hä - sie war doch nackt, Jockel?”

So kabbeln sie sich seit Tagen und mittlerweile glaube ich tatsächlich, dass es keine Telefonate unter Decknamen sind, sondern es sich bei der Dame wirklich um Jockels Mutter handelt. Zu echt klingen die Unterhaltungen, kreisen immer um dasselbe Thema, ohne Jockel bei der Lösung seines Problems zu helfen: Er braucht dringend Geld. Aber außer der missglückten Entführung und einer wiederholten dunklen Andeutung “Ich habe noch ein anderes Ding für den Doktor in Reserve” hat Jockel keine neuen Ideen, wie er an Geld kommen soll. Er scheint der geborene Verlierer zu sein.

So wie andere nach der Schule ihren Instant-Messenger am Notebook einschalten, setzt Alica sich also seit zwei Tagen an die Abhöranlage. Doch der Eifer lässt nach. Instinktiv spürt Alica, dass der Mann wenig interessant für uns Frauen ist. Spätestens morgen dürfte der Lithiumknopf in der Wanze sowieso erschöpft sein und es nicht mehr schaffen, sich in der geheimen Funkzelle der Telekom einzubuchen.

“Er soll sich endlich eine richtige Arbeit suchen, sagt seine Mutter”, berichtet Alica, als ich mich neben sie setze. “Da, jetzt wieder. Jetzt ruft sie wieder an”, hebt Alica den Zeigefinger. “Jetzt wird er wieder sagen, ‘Hallo Mama, es war einfach Pech ...”

Doch aus dem Lautsprecher krächzt ein völlig anderes Telefongespräch. Der von uns abgehörte Jockel ist mindestens so überrascht wie wir ...

“Das ist eine Panne!”, flüstert Alica.

“Sei doch mal still, Alica”, bitte ich.

“250.000 Euro sind für dich drin”, flüsterte die tiefe, raue Stimme aus dem Lautsprecher, und ich begreife sofort, dass wir in ein Telefonat geraten sind, dass weder für unsere, noch für Jockels Ohren bestimmt ist. “Du brauchst das Geld nur abzuholen. Es steckt in dem Umschlag im ‘Beau Rivage’.”

“Und wo ist dieses ‘Beau Rivage’?”, raspelt eine andere Stimme.

“Am Quai Mont Blanc, neben dem ‘D’Angleterre’. Du gehst einfach rein, zur Rezeption, um 20 Uhr. Der Mann dort erwartet dich.”

“250.000?”

“Ja. Der Mann an der Rezeption drückt dir einfach einen Umschlag in die Hand. Darin ist das Geld. “

Jockel hält den Atem an. Alica ebenso, und ich erst recht: Ich bin wie elektrisiert. Nicht wegen der 250.000 Euro, die man dort an der Rezeption einfach abholen kann. Sondern wegen der Stimme des Anrufers. Es ist, da bin ich mir sicher, die Stimme des Stählernen. Des einzigen Mannes in meinem Leben, den ich unbedingt wieder treffen muss. Weil er geliebt hat. So sehr, dass er den Tod tausendfach verdient.

Fortsetzung folgt

Aus der Reihe "Die Liebesagentin" 22.08.2008 Weiter lesen

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Die Erotik-Reihe "Die Liebesagentin" - alle bisherigen Folgen

Die erste Geschichte der Reihe stehen in der Liste oben, neueste Liebesgeschichten stehen unten.

2 - Bekenntnisse einer Stripperin
4 - Die Dehnung des Kellners
5 - Mutters Mahnung
6 - Finale in Moll
1 - Die Viper vor dem Biss

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