Krimis, Thriller und Liebesgeschichten - kostenlos als eBook downloaden.
Startseite

008 - Der versehrte Mann

Dies sture, instinktive “Wir halten uns nicht für weniger, auch wenn Sie Lady Chatterley sind!” verwirrte Connie und war ihr anfangs gänzlich unbegreiflich. Die sonderbare, mißtrauische, falsche Liebenswürdigkeit, mit der die Bergmannsfrauen auf ihre Annäherungsversuche reagierten; der merkwürdig kränkende Beigeschmack von diesem “Meine Güte! Jetzt bin ich wer, wo Lady Chatterley mit mir gesprochen hat! Aber sie soll sich nicht einbilden, daß ich weniger bin als sie!”, das sie immer in den fast kriecherischen Stimmen der Frauen mitschwingen hörte, war ihr unfaßlich. Dagegen war nicht anzukommen. Es wich hoffnungslos und verletzend von allem ab, was sie kannte.

Clifford ließ die Leute in Ruhe, und sie lernte, es ihm gleichzutun: Sie ging an ihnen vorbei, ohne sie anzusehen, und sie starrten zu ihr herüber, als wäre sie eine wandelnde Wachspuppe. Wenn Clifford mit ihnen zu tun hatte, behandelte er sie hochmütig und geringschätzig; man konnte es sich nicht länger leisten, freundlich zu sein. Allerdings verhielt er sich jedem gegenüber ziemlich anmaßend und von oben herab, der nicht zu seiner Klasse gehörte. Er behauptete sich ohne den geringsten Versuch einzulenken. Weder mochten ihn die Leute, noch mochten sie ihn nicht; er gehörte einfach dazu, wie die Bergwerkshalde und Wragby selbst.

In Wirklichkeit jedoch war Clifford äußerst scheu und befangen, seit er gelähmt war. Er haßte es, irgend jemanden um sich zu haben außer seiner Dienerschaft. Denn er mußte in einem Rollstuhl sitzen oder in einer Art Krankensessel. Nichtsdestoweniger war er von seinen teuren Schneidern immer noch so sorgfältig gekleidet wie eh und je, und wie früher trug er erlesene Krawatten aus der Bond Street, und oberhalb sah er so elegant und imponierend aus wie immer. Er hatte nie zu den modernen “damenhaften” jungen Männern gehört: vielmehr hatte er etwas Bukolisches mit seinem geröteten Gesicht und den breiten Schultern. Aber seine sehr stille, zögernde Stimme und die Augen, kühn und erschrocken, sicher und unsicher zugleich, enthüllten seine eigentliche Natur. Die Art, wie er sich gab, war oftmals beleidigend hochmütig und dann wieder bescheiden und zurückhaltend, fast furchtsam.

Connie und er waren auf eine distanzierte, moderne Weise miteinander verbunden. Er war so sehr verwundet in seinem Innern - die ungeheure Erschütterung, verstümmelt zu sein -, daß er nicht mehr ungezwungen und lässig sein konnte. Er war ein versehrtes Wesen. Und deshalb hielt Connie leidenschaftlich zu ihm.

Trotzdem befremdete es sie, wie wenig Beziehung er eigentlich zu seinen Mitmenschen hatte. Die Grubenarbeiter waren doch in gewisser Weise seine Leute, aber er sah eher Objekte als Menschen in ihnen, eher Teile der Grube als Teile seines Lebens, eher grobschlächtige Erscheinungen als mit ihm existierende menschliche Wesen. Er hatte in mancher Hinsicht Angst vor ihnen; er konnte es nicht ertragen, daß sie ihn sahen, nun, da er gelähmt war. Und ihr merkwürdiges, ungeschlachtes Leben kam ihm ebenso unnatürlich vor wie das von Igeln. Er zeigte einen Anflug von Interesse - aber nur wie jemand, der durch ein Mikroskop hinunter- oder durch ein Teleskop hinaufsieht. Er hatte keine Fühlung mit ihnen. Er hatte mit niemandem Fühlung, außer - aus Tradition - mit Wragby und - durch das enge Band der Familiensolidarität - mit Emma. Darüber hinaus berührte ihn eigentlich nichts. Auch Connie fühlte, daß sie ihn nicht wirklich berührte. Vielleicht war nicht einmal etwas da, was zu berühren gewesen wäre. Eine Negierung jeden menschlichen Kontakts.

Doch er war vollkommen abhängig von ihr, er brauchte sie in jedem Augenblick. So groß und kräftig er auch war - er war hilflos. Er konnte sich in einem Rollstuhl voranbewegen, und er besaß eine Art Krankensessel mit einem Motor, in dem er langsam durch den Park tuckern konnte. Aber wurde er allein gelassen, so war er verloren. Er brauchte Connies Anwesenheit, damit sie ihm das Gefühl gab, daß er überhaupt noch existiere.

Und er war ehrgeizig. Er hatte angefangen, Geschichten zu schreiben - seltsame, sehr eigenwillige Geschichten über Menschen, die er kannte. Kluge, ziemlich boshafte und auf rätselhafte Weise doch bedeutungslose Geschichten. Sein Beobachtungsvermögen war ungewöhnlich und skurril. Aber die Teilnahme fehlte, der wirkliche Kontakt. Es war, als ob das Ganze in einem Vakuum stattfände. Und da das Leben sich heute weitgehend auf einer künstlich beleuchteten Bühne abspielt, standen die Geschichten in einem seltsam wahren Bezug zum modernen Leben und zur modernen Psychologie.

Clifford war geradezu krankhaft empfindlich, wenn es um diese Geschichten ging. Er erwartete, daß jeder sie gut fände, hervorragend, non plus ultra. Sie erschienen in den modernsten Zeitschriften und wurden, wie das so üblich ist, bald gepriesen, bald verrissen. Aber für Clifford glich jeder Verriß einer Marter, einem Messer, das sich in ihn bohrte. Es war, als habe er sein ganzes Sein in diese Geschichten gelegt. Connie half ihm, so gut sie es vermochte. Am Anfang fand sie es höchst aufregend. Er besprach alles mit ihr, wieder und wieder, eindringlich, gründlich, und sie mußte darauf eingehen, so gut sie nur konnte. Ihr war, als müßten ihre Seele und ihr Leib und ihr Geschlecht sich regen und in diese Geschichten eingehen. Das bewegte sie und nahm sie ganz gefangen.

Ihr gemeinsames physisches Leben war kaum der Rede wert. Sie mußte das Haus führen. Aber die Haushälterin hatte schon seit vielen Jahren Sir Geoffrey gedient, und die vertrocknete, ältliche, über alle Maßen korrekte Person - man konnte sie kaum als Stubenmädchen bezeichnen, schon gar nicht als Frau -, die bei Tisch aufwartete, war seit nunmehr vierzig Jahre im Hause. Sogar die Hausmädchen waren nicht mehr jung! Es war gräßlich! Was sollte man anders mit einem solchen Haus machen, als es seinem Zustand überlassen? All die endlosen Räume, die niemand je benutzte, all die mittelenglischen Tagesriten, die mechanische Sauberkeit, die mechanische Ordnung! Clifford hatte auf einer neuen Köchin bestanden, nämlich auf der erfahrenen Frau, die ihm in seiner Wohnung in London gedient hatte. Im übrigen schien mechanische Anarchie im Haus zu herrschen. Alles lief in tadelloser Ordnung ab, in peinlicher Reinlichkeit, in peinlicher Pünktlichkeit, sogar in peinlicher Redlichkeit. Und doch war es für Connie wie eine methodische Anarchie. Keine Gefühlswärme hielt es organisch zusammen. Das Haus war ebenso trübselig wie eine unbegangene Straße.

Was sollte sie anderes tun, als alles so lassen, wie es war? Und so ließ sie alles, wie es war. Manchmal kam Miss Chatterley, mit ihrem aristokratischen, hageren Gesicht, und stellte triumphierend fest, daß sich nichts geändert hatte. Sie würde Connie nie verzeihen, daß sie sie aus dem engen geistigen Bund mit dem Bruder vertrieben hatte. Ihr, Emma, kam es eigentlich zu, ihm bei diesen Geschichten, diesen Büchern zu helfen - den Chatterley-Geschichten, etwas ganz Neuem in der Welt, das sie, die Chatterleys, hervorgebracht hatten. Es gab keinen Maßstab für sie. Es gab keinen organischen Bezug zu früheren Gedanken- und Ausdrucksformen. Es gab nur dies eine, dies Neue in der Welt: die Chatterley-Bücher, etwas durch und durch Individuelles.

Aus der Reihe "Lady Chatterley" 03.05.2008 Weiter lesen

imageDavid Herbert Lawrence schrieb obige erotische Geschichte. - D. H. Lawrence versank in Depressionen. Er fing an zu reisen, um der Enge Englands zu entfliehen. Sein Englischprofessor in Nottingham, Ernest Weekley, hatte in Deutschland doziert, und Lawrence hoffte, Weekley könne ihm in Deutschland, seinem ersten Reiseziel, einen Job verschaffen. Als Lawrence deswegen Weekley besuchte, öffnete dessen Frau Frieda die Tür. Sie war Deutsche, jung und sehr schön. Lawrence verliebte sich sofort, schrieb Frieda glühende Liebesbriefe. Bald wurde Frieda seine Geliebte. Doch Lawrence wollte nicht im Hause seines Gönners als ständiger Ehebrecher verkehren. Er wollte Frieda heiraten.

image

Der Prozess um Lady Chatterley - Neun der Geschworenen waren Männer, drei Frauen, darunter eine Kindergärtnerin und eine Witwe mit vier Kindern. Der Staatsanwalt las in seiner Eröffnungsrede sämtliche "unanständigen Stellen" des Werks vor und zählte dabei die schlimmen Worte. Richter Byrde unterbrach die Aufzählung. Doch am nächsten Tag berichtete die Londoner Presse sämtliche Details, die Sexstellen der Geschichte wurden nachgedruckt - es gehörte zur erlaubten Gerichtsberichterstattung. 24 Zeugen wurden während der Verhandlung aufgerufen, um "Lady Chatterley" endgültig aus dem Verkehr zu ziehen.

erotische geschichten

Die Erotik-Reihe "Lady Chatterley" - alle bisherigen Folgen

Die erste Geschichte der Reihe stehen in der Liste oben, neueste Liebesgeschichten stehen unten.

001 - Früchte des Krieges
002 - Tastende Liebelei mit 18 Jahren
003 - Gierig wie Hunde auf Sex
004 - Das erste geschlechtliche Erschauern des Körpers
005 - Die lächerlichen Behörden
006 - Diese plumpe Fickerei
007 - Umzug nach Wragby
009 - Die Halbjungfrau
010 - Ihre Hüften waren zu fraulich ....
011 - Vater fordert verheiratete Tochter auf: “Nimm dir einen Geliebten”
012 - Ein Einkommen von fünfzigtausend Dollar
013 - Das furchtbare Verlangen in seinen glühenden Augen
014 - Ehebruch
015 - Connie verliebt sich
016 - Dieses unfertige, zarte Fleisch
017 - Sie spürte seine pulsierende Härte in sich
018 - Der Zusammenhang zwischen Pissen und Ficken
019 - Der Hunger nach dem Weibe
020 - Sexgespräche
021 - Sie fielen übereinander her ...
022 - Mein Penis ist schlapp und hebt nie den Kopf
023 - “Es ist alles so hoffnungslos keusch!”
024 - Das Kind des anderen

Startseite

Kontakt © 2007–2017