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012 - Ein Einkommen von fünfzigtausend Dollar

Michaelis war offensichtlich kein Engländer, trotz all der Schneider, Friseure, Hut- und Schuhmacher des besten Londoner Viertels. Nein, nein, er war offensichtlich kein Engländer: sein abgeflachtes, blasses Gesicht und seine Haltung und sein Groll waren von der falschen Art! Zwar verfügte er über Groll und Mißgunst - wie jeder echte englische Gentleman sehen konnte, der sich aber schämen würde, so etwas in seinem Betragen laut werden zu lassen! Der arme Michaelis hatte viele Fußtritte bekommen und sah sogar jetzt noch ein bißchen aus wie ein Hund, der mit eingeklemmtem Schwanz umherläuft. Er hatte sich mit seinen Stücken durch schieren Instinkt und schiere Frechheit einen Weg auf die Bühne und an die Rampe gebahnt. Er hatte die Leute für sich eingenommen. Und er hatte gedacht, die Zeit der Fußtritte sei vorüber. Doch sie war nicht vorüber, leider ... Sie würde es nie sein. Denn er forderte in gewisser Weise dazu heraus, getreten zu werden. Er verzehrte sich danach, dort zu sein, wohin er nicht gehörte: in der englischen Oberschicht. Und was für einen Spaß es ihnen machte, ihn zu treten! Und wie er sie haßte!

Und trotz alldem reiste er mit seinem Diener und seinem sehr respektablen Wagen, dieser Dubliner Bastard!

Irgend etwas war an ihm, das Connie gefiel. Er machte sich nichts vor, er hatte keine Illusionen über sich. Er unterhielt sich mit Clifford vernünftig, bündig, praktisch über alles, was Clifford wissen wollte. Er machte sich nicht breit, ließ sich nicht gehen. Er wußte, man hatte ihn nach Wragby eingeladen, weil er ausgenutzt werden sollte, und wie ein alter, gewiegter, nahezu indifferenter Geschäftsmann - oder wie ein großer Geschäftsmann - ließ er sich fragen und antwortete mit so wenig Gefühlsaufwand wie möglich.

“Geld!” sagte er. “Geld ist eine Art Instinkt. Geld zu machen ist eine Art Naturveranlagung im Menschen. Es ist nichts, wozu man selber etwas beiträgt. Kein Trick, den man anwendet. Es ist eine Art permanenter Zufall der eigenen Natur. Wenn man einmal angefangen hat, bleibt man dabei, Geld zu machen; bis zu einem bestimmten Punkt, nehme ich an.”

“Aber man muß eben anfangen”, sagte Clifford.

“Natürlich. Man muß hineinkommen. Man kann nichts machen, wenn man draußen bleibt. Man muß sich den Zugang erzwingen. Wenn man das einmal geschafft hat, geht es immer so weiter.”
“Aber hätten Sie auch anders, außer durch Stücke, Geld verdienen können?” fragte Clifford.

“Oh, wahrscheinlich nein! Ich mag ein guter Schriftsteller sein, ich mag ein schlechter sein - auf jeden Fall aber bin ich Schriftsteller, Bühnenschriftsteller. Das steht außer Frage.”

“Und Sie glauben, daß Sie eben ein Verfasser populärer Stücke sein müssen?” fragte Connie.

“Genau das!” rief er und wandte sich ihr in einer jähen Wendung zu. “Es steckt nichts dahinter! Es ist nichts dran an der Popularität. Und wenn wir davon sprechen, auch nicht am Publikum. Im Grunde ist in meinen Stücken nichts, was sie populär machen könnte. Das ist es nicht. Sie sind eben, wie das Wetter - so, wie es sein muß - für den Augenblick jedenfalls.”

Er wandte Connie seine langsamen großen Augen zu, die in unauslotbarer Ernüchterung ertrunken waren, und sie zitterte ein wenig. Er schien so alt, so unermeßlich alt, schien aus lauter Schichten von Desillusionen zu bestehen, die sich in ihm, Generation auf Generation, übereinandergelagert hatten wie geologische Strata. Und zugleich war er hilflos wie ein Kind. Ein Ausgestoßener in gewissem Sinn; aber mit dem verzweifelten Mut seines Ratten-Daseins.

“Jedenfalls ist es großartig, was Sie in Ihrem Leben schon alles erreicht haben”, sagte Clifford nachdenklich.

“Ich bin dreißig ... ja, ich bin dreißig!” antwortete Michaelis scharf und jäh, und er lachte dabei auf eine sonderbare Weise: hohl, triumphierend und bitter.

“Und Sie sind allein?” fragte Connie.

“Wie meinen Sie das? Ob ich allein lebe? Ich habe meinen Diener. Er ist Grieche - so sagt er wenigstens - und ziemlich unzulänglich. Aber ich behalte ihn. Und ich will heiraten. O ja, ich muß heiraten.”

“Das klingt, als wollten Sie sich die Mandeln kappen lassen”, lachte Connie. “Kostet es denn so viel Überwindung?”

Er sah sie bewundernd an. “Ach, wissen Sie, Lady Chatterley, in gewisser Hinsicht ja. Ich glaube ... verzeihen Sie ... ich glaube, ich bin nicht imstande, eine Engländerin zu heiraten, nicht einmal eine Irin ...”

“Versuchen Sie es mit einer Amerikanerin”, warf Clifford ein.

“Oh, die Amerikanerinnen!” Er lachte hohl. “Nein, ich habe meinen Diener gebeten, mir eine Türkin zu beschaffen oder so etwas ... eine, die dem Orientalischen näher kommt.”

Connie war ehrlich erstaunt über dies merkwürdige, melancholische Produkt sensationellen Erfolgs. Es hieß, daß er allein aus Amerika ein Einkommen von fünfzigtausend Dollar bezöge. Zuweilen sah er sehr gut aus: wenn er seitlich nach unten sah und das Licht auf ihn fiel, hatte er die stille, ewige Schönheit einer elfenbeingeschnitzten Negermaske, mit seinen sehr großen Augen und den breiten, seltsam gewölbten Brauen und dem reglos zusammengepreßten Mund - diese flüchtige, doch deutlich sichtbare Reglosigkeit, eine Reglosigkeit, eine Zeitlosigkeit, wie Buddha sie anstrebt und wie Neger sie manchmal an sich haben, ohne sie je anzustreben; etwas sehr, sehr Altes, ein Sichfügen in die Rasse. Äonen des Sichfügens ins Rassenschicksal statt unseres individuellen Widerstandes. Und dann ein Hindurchschwimmen - wie Ratten, die einen dunklen Fluß durchqueren. Connie fühlte eine jähe seltsame Welle der Zuneigung für ihn - eine Welle, in der sich Mitleid und Widerwille mischten und die sich fast zu Liebe steigerte. Der Außenseiter! Der Außenseiter! Und sie nannten ihn einen Proleten! Wieviel gewöhnlicher und anmaßender sah Clifford aus! Wieviel törichter!

Michaelis wußte sofort, daß er Eindruck auf sie gemacht hatte. Er wandte ihr seine großen nußbraunen, leicht vorstehenden Augen zu und sah sie gänzlich unbeteiligt an. Er taxierte sie - sie und das Ausmaß des Eindrucks, den er gemacht hatte. Es gab kein Mittel dagegen, daß er unter Engländern der ewige Außenseiter blieb, nicht einmal Liebe half. Aber Frauen vernarrten sich zuweilen in ihn ... auch Engländerinnen.

Aus der Reihe "Lady Chatterley" 23.06.2008 Weiter lesen

imageDavid Herbert Lawrence schrieb obige erotische Geschichte. - D. H. Lawrence versank in Depressionen. Er fing an zu reisen, um der Enge Englands zu entfliehen. Sein Englischprofessor in Nottingham, Ernest Weekley, hatte in Deutschland doziert, und Lawrence hoffte, Weekley könne ihm in Deutschland, seinem ersten Reiseziel, einen Job verschaffen. Als Lawrence deswegen Weekley besuchte, öffnete dessen Frau Frieda die Tür. Sie war Deutsche, jung und sehr schön. Lawrence verliebte sich sofort, schrieb Frieda glühende Liebesbriefe. Bald wurde Frieda seine Geliebte. Doch Lawrence wollte nicht im Hause seines Gönners als ständiger Ehebrecher verkehren. Er wollte Frieda heiraten.

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Der Prozess um Lady Chatterley - Neun der Geschworenen waren Männer, drei Frauen, darunter eine Kindergärtnerin und eine Witwe mit vier Kindern. Der Staatsanwalt las in seiner Eröffnungsrede sämtliche "unanständigen Stellen" des Werks vor und zählte dabei die schlimmen Worte. Richter Byrde unterbrach die Aufzählung. Doch am nächsten Tag berichtete die Londoner Presse sämtliche Details, die Sexstellen der Geschichte wurden nachgedruckt - es gehörte zur erlaubten Gerichtsberichterstattung. 24 Zeugen wurden während der Verhandlung aufgerufen, um "Lady Chatterley" endgültig aus dem Verkehr zu ziehen.

erotische geschichten

Die Erotik-Reihe "Lady Chatterley" - alle bisherigen Folgen

Die erste Geschichte der Reihe stehen in der Liste oben, neueste Liebesgeschichten stehen unten.

001 - Früchte des Krieges
002 - Tastende Liebelei mit 18 Jahren
003 - Gierig wie Hunde auf Sex
004 - Das erste geschlechtliche Erschauern des Körpers
005 - Die lächerlichen Behörden
006 - Diese plumpe Fickerei
007 - Umzug nach Wragby
008 - Der versehrte Mann
009 - Die Halbjungfrau
010 - Ihre Hüften waren zu fraulich ....
011 - Vater fordert verheiratete Tochter auf: “Nimm dir einen Geliebten”
013 - Das furchtbare Verlangen in seinen glühenden Augen
014 - Ehebruch
015 - Connie verliebt sich
016 - Dieses unfertige, zarte Fleisch
017 - Sie spürte seine pulsierende Härte in sich
018 - Der Zusammenhang zwischen Pissen und Ficken
019 - Der Hunger nach dem Weibe
020 - Sexgespräche
021 - Sie fielen übereinander her ...
022 - Mein Penis ist schlapp und hebt nie den Kopf
023 - “Es ist alles so hoffnungslos keusch!”
024 - Das Kind des anderen

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