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04 - Auf dem Weg zum Garten der Qualen

Claras klirrendes Lachen, das Bellen des Hundes: Sie kamen zurück. Sie war halb chinesisch, halb europäisch gekleidet ... eine hellmalvenfarbene Seidenblouse mit leichtgoldigen Blumen besät, umhüllte sie mit tausend Falten, zugleich aber zeichnete sie ihren schlanken Körper und ihre vollen Formen ab ... Sie trug einen großen gelblichen Strohhut, in dessen Mitte ihr Gesicht gleich einer rosigen Blume im hellen Schatten auftauchte ... Und ihre kleinen Füße waren mit gelbledernen Schuhen versehen ...

Als sie in den Kiosk trat, erfüllten Düfte im Nu den Raum ...

“Sie finden mich merkwürdig aufgetakelt, nicht wahr? ... O Sie trauriger Mann aus Europa, der noch nicht ein einziges Mal seit seiner Rückkehr gelacht hat ... Bin ich nicht schön so?”

Da ich mich von dem Divan, auf dem ich mich ausgestreckt hatte, nicht gleich erhob, rief sie: “Rasch, rasch! ... mein Liebling ... Denn wir haben einen weiten Weg vor uns ... Ich werde die Handschuhe im Gehen anziehen ... Vorwärts ... Komm! ... Nein ... nein ... Du nicht!”, fügte sie hinzu, indem sie sanft den Hund abwehrte, der schnupperte, herumsprang und mit dem Schwanz wedelte.

Das Bagno liegt am anderen Ufer des Flusses, der langsam, finster zwischen den stachen Böschungen seine verpesteten, pechschwarzen Fluten dahinwälzt. Um dorthin zu gelangen, muß man einen weiten Umweg machen, um die Brücke zu erreichen, auf der jeden Mittwoch bei ansehnlichem Zudrang der eleganten Welt der Fleischmarkt des Sträflingfutters abgehalten wird.

Clara hatte keinen Palankin besteigen wollen. Wir gingen zu Fuß durch den Garten, der außerhalb der Stadtmauer liegt und gingen zu Fuß. So kamen wir an einigen elendiglichen Schuppen vorüber, wo Töpfer irdene Gefäße drehten, wo Lumpensammler über ihre großen Körbe gebückt, die Ernte des Morgens schichteten, während über ihnen ein Volk hungriger krähender Corore hin- und herflog.

Clara ging rasch, mitleidslos gegen meine Ermüdung; ohne sich um die Sonne zu kümmern, die die Luft schwer machte und uns trotz unserer Schirme die Haut verbrannte, schritt sie frei, leicht, kühn und glücklich dahin. Von Zeit zu Zeit bemerkte sie im Tone aufheiternden Vorwurfs: “Wie langsam Sie sind, Liebling ... Gott, wie langsam Sie sind! ... Sie kommen gar nicht von der Stelle ... Wenn nur die Tore des Bagno nicht schon geöffnet sind, wenn wir ankommen und wenn man nur dann die Sträflinge nicht schon wie die Gänse gestopft hat! ... Das wäre schrecklich! ... O, wie ich Sie verabscheuen würde!”

Zuweilen gab sie mir Zuckernußpastillen, deren Genuß die Athmung belebt und meinte, mich spöttisch musternd: “O, das kleine Mädchen! ... kleines Mädchen ... kleines Mädchen, das garnichts aushalten kann!”

Der Fußweg mündet am Quai des Flusses. Zwei große Dampfer löschten ihre Ladung von Kohlen und europäischen Waaren; einige Dschunken wurden zum Fischzug segelfertig gemacht, eine zahlreiche Flottille von Sampangs schlief mit ihren buntscheckigen Zelten vor Anker, gewiegt von dem leisen Plätschern des Wassers. Nicht ein einziger Windhauch ging durch die Luft.

Dieser Quai beleidigte meine Sinne. Er war schmutzig und grundlos in seiner Zerklüftung, mit schwärzlichen Staubmassen bedeckt, mit Eingeweiden von Fischen besäet. Pestgerüche, Lärm von Prügeleien, Flötenspiel, Hundegebell drangen aus der Tiefe der Spelunken, die das Ufergelände begrenzen: Von Ungeziefer strotzende Theehäuser, Verbrecherkneipen, verdächtige Faktoreien.

Clara zeigte mir lachend eine Art von kleiner Trödelbude, in der auf Caladiumblättern Portionen von Ratten und Viertel von Hunden, verfaulte Fische, hektische Hühner mit Kopallack übertüncht, sowie Bananenkolben und blutige Fledermäuse, die zusammen auf Spieße gereiht waren, verkauft wurden. Je weiter wir vordrangen, desto unerträglicher wurden die Gerüche, desto dichter der Unrat.


Divan - Auch Diwan. Kommt aus dem Persischen und bezeichnet im europäischen Sprachgebrauch ein Bettsofa. Veraltend. Im Persichen ist ein Diwan ursprünglich eine Art Registratur gewesen, in der sich Menschen versammelt haben, um Auskünfte zu bekommen.
Palankin - Das Tragbett reicher Inder.
Dschunken- Großes Transportschiff mit einem Segel. Vorzugsweise im chinesichen Meer zu finden.
Sampangs - Ein chinesiches Ruderboot.
Caladiumblättern - Zu deutsch “Buntwurz”. Stammt aus den Subtropen, war in Amerika vor dem Zweiten Weltkrieg als Zierpflanze in hunderten von Arten sehr beliebt. Heute fast vergessen, aber ein oder zwei Sorten sind im gut sortierten Pflanzenhandel erhältlich. Der scharfe Pflanzensaft wirkt auf Menschen belebend, ist aber leicht giftig. Achtung: Für Kinder tödlich! Ebenso tödlich für Hunde, Katzen, Meerschweinschen, die meisten Kleintiere.

Aus der Reihe "Garten der Qualen" 24.11.2007 Weiter lesen

imageOctave Mirbeau schrieb obige erotische Geschichte. - Der französische Schriftsteller wurde 1850 bei Bayeux geboren und starb 1917 in Paris. Bekannt war er für kritisch-satirische Romane und sozial-engagierte Bühnenstücke. Aufsehen erregte sein Theaterstück "Geschäft ist Geschäft" aus dem Jahr 1903. Mit ätzender Schärfe legt er hier bloß, wie einem Geschäftsmann der Profit wichtiger ist als Freunde und Familien. Weitere Werke: "Tagebuch einer Kammerzofe" (Roman, 1900) und "Der Garten der Qualen" (Roman, 1899).

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Ein perverses Werk - Im Jahr 1899 erscheint "Der Garten der Qualen" - und wird unmittelbar zu einem Skandal. Das Buch (französischer Originaltitel : Le Jardin des supplices) verstört die Zeitgenossen mit seiner drastischen Schilderung der Sexualität; mehr aber noch mit der Lebenshaltung, die hinter den geschilderten sexuellen Verhaltensweisen aufleuchtet. Sie wird als pervers empfunden. Eine Einführung in das Werk "Der Garten der Qualen".

erotische geschichten

Die Erotik-Reihe "Garten der Qualen" - alle bisherigen Folgen

Die erste Geschichte der Reihe stehen in der Liste oben, neueste Liebesgeschichten stehen unten.

“Schamloses Machwerk, skandalöses Buch!”
01 - Die Vögel verschmähten ihren Leichnam
02 - Junge Mädchen in Russland - von Soldaten zu Tode gefickt
03 - Bald war meine Lanze rau und rot
05 - Das verwesende Fleisch
06 - Die Wollust der Menschen
07 - Die Qualen der Wollust
08 - Die glühende Gerte auf dem Fleische
09 - Stinkendes Fleisch und zuckende Leiber
10 - Männer in Ketten
11 - Im Garten der Qualen

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