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03 - Bald war meine Lanze rau und rot

Mich quälten Gewissensbisse: Ich hätte nicht zurückkommen sollen. Clara hatte alles vorhergesehen. Auf dem Schiff hatte sie zur mir gesagt: “Wenn ich Sie unglücklich mache, mein Lieber, dann werden Sie fortgehen.”

Ich war fortgegangen. Aber hatte ich dadurch Glück gefunden? Hatte ich dadurch meine schändliche Vergangenheit zurücklassen können? Nein! Ich verspürte Abscheu. Vor mir selbst, aber nicht vor Clara, die doch mir und anderen die ärgsten Qualen bereitet hatte.

Ich versuchte, weiter zu fliehen vor ihr. Doch je mehr Kilometer ich zwischen sie und mir brachte, indem ich nach Berlin floh und nach London, umso näher schien sie mir: in meinen heißen Träumen, in meinen durchwachten Nächten. In denen meine Finger zwischen meine Lenden wanderten auf der Suche nach den Gefühlen, die Clara mir bereitet hatte. Nie fand ich sie, stattdessen masturbierte ich. Exzessiv, stumpf, auf der Suche nach Befriedigung, die doch immer nur für Sekunden kam und mich leerer zurückließ als zuvor. Bald war meine Lanze rau und rot. Und immer noch konnte ich nicht ablassen, sehnte mich nach dem erlösenden Morgen, nach der Helligkeit des Tages, die mich erlösen sollte von den Gedanken an ... sie ... sie ... immer wieder SIE.

Ich wurde krank, flüchtete mich in ein Fieber. Höher wurde es, der Tod klopfte, doch trat er nicht ein, damit ich vergessen konnte. Ihr Gift, Claras Gift, das sie in mich geträufelt hatte, es putschte mich zugleich auf wie es mich mit Abscheu erfüllte. Das Weib, so voller Fäulnis an Seele und Gedanken, es besaß einen doch kindlich reinen Körper, der mich an sie schmiedete. Ich liebte diese Frau.

Nein, war es Liebe? Wirkliche Liebe? Es war eine kranke Liebe, ein Verfallensein.

Und jetzt also, jetzt war ich zurück gekommen, war ihr verfallen. Tiefer verfallen, als in den Jahren zuvor. Sie nahm mich mit in ihren vergifteten Abgrund. In das Dickicht ihrer Wälder, in den Garten der Qualen, den ich bisher nur durch den Nebel des Kokains geahnt hatte. Ich würde ihn erleben.

Und vielleicht, vielleicht würde ich Sekunden des Glücks dabei empfinden?

Aus der Reihe "Garten der Qualen" 20.11.2007 Weiter lesen

imageOctave Mirbeau schrieb obige erotische Geschichte. - Der französische Schriftsteller wurde 1850 bei Bayeux geboren und starb 1917 in Paris. Bekannt war er für kritisch-satirische Romane und sozial-engagierte Bühnenstücke. Aufsehen erregte sein Theaterstück "Geschäft ist Geschäft" aus dem Jahr 1903. Mit ätzender Schärfe legt er hier bloß, wie einem Geschäftsmann der Profit wichtiger ist als Freunde und Familien. Weitere Werke: "Tagebuch einer Kammerzofe" (Roman, 1900) und "Der Garten der Qualen" (Roman, 1899).

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Ein perverses Werk - Im Jahr 1899 erscheint "Der Garten der Qualen" - und wird unmittelbar zu einem Skandal. Das Buch (französischer Originaltitel : Le Jardin des supplices) verstört die Zeitgenossen mit seiner drastischen Schilderung der Sexualität; mehr aber noch mit der Lebenshaltung, die hinter den geschilderten sexuellen Verhaltensweisen aufleuchtet. Sie wird als pervers empfunden. Eine Einführung in das Werk "Der Garten der Qualen".

erotische geschichten

Die Erotik-Reihe "Garten der Qualen" - alle bisherigen Folgen

Die erste Geschichte der Reihe stehen in der Liste oben, neueste Liebesgeschichten stehen unten.

“Schamloses Machwerk, skandalöses Buch!”
01 - Die Vögel verschmähten ihren Leichnam
02 - Junge Mädchen in Russland - von Soldaten zu Tode gefickt
04 - Auf dem Weg zum Garten der Qualen
05 - Das verwesende Fleisch
06 - Die Wollust der Menschen
07 - Die Qualen der Wollust
08 - Die glühende Gerte auf dem Fleische
09 - Stinkendes Fleisch und zuckende Leiber
10 - Männer in Ketten
11 - Im Garten der Qualen

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