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05 - Das verwesende Fleisch

“Ist das nicht wirklich unterhaltend?”, fragte mich Clara “Und es gibt deren über dreißigtausend, die keine andere Wohnung als ihre Schiffe haben! Wahrhaftig, der Teufel mag wissen was sie treiben!”

Wir kamen an kleinen Buden vorbei. In diesen Buden heulten dicke Verkäufer mit Flußpferdbäuchen, die gelbe, blaue, grüne Kleider trugen. Sie schlugen auf Gongs, um die Kunden anzulocken; sie hielten allerlei Aas feil: Tote Ratten, ertränkte Hunde, Hirsch- und Pferdeviertel, eitriges Geflügel, das im bunten Durcheinander in großen Bronzebecken aufgehäuft war.

“Kommen Sie zu mir! Und sehen Sie sich’s an! Wählen Sie aus! Sie finden es nirgends besser Verdorbeneres Fleisch gibt es nicht.”

Und in den Becken wühlend, schwangen sie an den Spitzen ihrer langen Eisenhaken ekelhafte Stücke jauchigen Fleisches und schrieen mit wilden Grimassen, die durch die rothen Narben ihrer Gesichter noch verstärkt wurden, unter dem wütenden Lärm der Gongs und dem Gebrüll ihrer Nebenbuhler: “Hierher! Kommen Sie zu mir! Wählen Sie aus!  Sie finden es nirgends besser. Verdorbeneres Fleisch gibt es nicht!”

So wie wir die Brücke betreten hatten, sagte Clara zu mir: “Ach siehst Du, wir kommen zu spät. Das ist Deine Schuld! Beeilen wir uns.”

In der Tat wimmelte eine ganze Menge von Chinesinen und unter ihnen einige Engländerinen und Russinen auf der Brücke.

“Ich glaubte, mir würde übel werden von dem furchtbaren Gestank, der an einen Schindanger erinnerte und aus diesen Buden, diesen umgerührten Becken, dieser ganzen Menschenmenge drang, die sich auf das Aas stürzte als ob es ein Blumenbeet wäre.

“Clara, liebe Clara!”, beschwor ich “Gehen wir fort, ich bitte Sie!”

“O, wie bleich Sie sind! Und weshalb? Ist denn das nicht sehr amüsant?”

“Clara, liebe Clara!”, drang ich weiter in sie.

“Gehen wir fort, ich beschwöre Sie. Ich kann unmöglich diesen Geruch länger aushalten.”

“Aber das riecht doch nicht schlecht, mein Liebling. Das riecht nach Tod, weiter nichts!”

Sie schien dadurch wirklich keineswegs belästigt Kein Zug des Ekels drückte sich auf ihrem weißen Gesicht aus, das frisch wie eine Kirschblüthe war. Nach dem verschleierten Leuchten ihrer Augen, nach dem Vibrieren ihrer Nasenflügel hätte man annehmen können, daß sie eine Art Liebesgenuß empfinde. Sie sog die Verwesung gleich einem Wohlgeruch ein.

“O, das schöne, schöne Stück!”

Mit graziösen Bewegungen füllte sie den Korb mit scheußlichen Resten. Und mühsam setzten wir durch die überreizte Menge, umgeben von dem schändlichen Gestank, unsern Weg fort.

“Rasch ... rasch!”

Aus der Reihe "Garten der Qualen" 01.12.2007 Weiter lesen

imageOctave Mirbeau schrieb obige erotische Geschichte. - Der französische Schriftsteller wurde 1850 bei Bayeux geboren und starb 1917 in Paris. Bekannt war er für kritisch-satirische Romane und sozial-engagierte Bühnenstücke. Aufsehen erregte sein Theaterstück "Geschäft ist Geschäft" aus dem Jahr 1903. Mit ätzender Schärfe legt er hier bloß, wie einem Geschäftsmann der Profit wichtiger ist als Freunde und Familien. Weitere Werke: "Tagebuch einer Kammerzofe" (Roman, 1900) und "Der Garten der Qualen" (Roman, 1899).

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Ein perverses Werk - Im Jahr 1899 erscheint "Der Garten der Qualen" - und wird unmittelbar zu einem Skandal. Das Buch (französischer Originaltitel : Le Jardin des supplices) verstört die Zeitgenossen mit seiner drastischen Schilderung der Sexualität; mehr aber noch mit der Lebenshaltung, die hinter den geschilderten sexuellen Verhaltensweisen aufleuchtet. Sie wird als pervers empfunden. Eine Einführung in das Werk "Der Garten der Qualen".

erotische geschichten

Die Erotik-Reihe "Garten der Qualen" - alle bisherigen Folgen

Die erste Geschichte der Reihe stehen in der Liste oben, neueste Liebesgeschichten stehen unten.

“Schamloses Machwerk, skandalöses Buch!”
01 - Die Vögel verschmähten ihren Leichnam
02 - Junge Mädchen in Russland - von Soldaten zu Tode gefickt
03 - Bald war meine Lanze rau und rot
04 - Auf dem Weg zum Garten der Qualen
06 - Die Wollust der Menschen
07 - Die Qualen der Wollust
08 - Die glühende Gerte auf dem Fleische
09 - Stinkendes Fleisch und zuckende Leiber
10 - Männer in Ketten
11 - Im Garten der Qualen

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