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07 - Die Qualen der Wollust

“Weißt du denn nicht, dass du nur durch die Wollust die völlige Entfaltung deiner Persönlichkeit erreichst? Sieh’ einmal, hast Du im Liebesakt denn nie zum Beispiel daran gedacht, ein schönes Verbrechen zu begehen?  Das heißt Dein Ich über alle sozialen Vorurtheile und alle Gesetze, kurz über alles zu erheben? Und wenn Du daran nicht gedacht hast, weshalb fröhnst Du denn dann überhaupt der Liebe?”

“Ich habe nicht die Kraft, zu widerlegen”, stammelte ich. “Und mir ist, als ob ich in einem schweren Traum wandelte. Die Sonne, diese Menschenmenge, dieser Geruch, und Deine Augen. Ach, Deine Augen voll von Qualen und Wollust! Und Deine Stimme und Dein Verbrechen. All’ das entsetzt mich, all’ das macht mich wahnsinnig!”

Clara lachte kurz und spöttisch auf: “Armer Liebling!”, seufzte sie komisch “Heute Abend, wenn Du in meinen Armen ruhst, wirst Du nicht so reden. Und, wie ich Dich lieben werde!”

Die Menge erhitzte sich immer mehr. Bonzen, die unter Sonnenschirmen hockten, breiteten ihre langen rothen Kleider um sich aus, gleich Blutpfützen, sie schlugen auf Gongs mit rasenden Schlägen und beschimpften in gröbster Weise die Vorübergehenden, die, um ihre Flüche und Verwünschungen zu beschwichtigen, fromm in metallene Kufen reichlich Geldstücke fallen ließen.
 
Clara führte mich unter ein Zelt, das ganz und gar mit Pfirsichblüten bestickt war und nöthigte mich, an ihrer Seite auf einem Stoß von Kissen Platz zu nehmen. Dann sagte sie zu mir, indem sie mir die Stirn mit ihrer electrisch zuckenden Hand, dieser Spenderin von Vergessenheit und Rausch, streichelte:

“Du lieber Gott! .Wie lange das dauert, Liebling! Jede Woche ist’s die gleiche Geschichte. Das Tor wird nie rechtzeitig geöffnet. Weshalb sprichst Du nicht mit mir? Flöße ich Dir Angst ein? Freut es Dich, daß Du mitgekommen bist?

Bist Du zufrieden, wenn ich Dich streichle, Du liebe, angebetete, kleine Drecksau? O, Deine schönen, müden Augen! Das macht das Fieber - und ich auch, sag’? Sag’, ich bins? Willst Du Tee trinken? Willst Du noch eine Hamamelispastille?”

“Ich wollte, ich wäre weit fort von hier! Ich möchte schlafen!”

“Schlafen! Wie merkwürdig Du bist! O, Du wirst ja gleich sehen, wie schön es ist! Wie schrecklich es ist! Und welche außergewöhnlichen, welche ungeahnten, welche wundervollen Begierden das einem in den Leib dringen läßt! Wir werden über den Fluß, in unserem Sampang zurückkehren. Und die Nacht in einem Blumenschiff verbringen und uns die Seele aus dem Leib ficken. Willst Du, ja?”

Sie gab mir ein paar leichte Schläge mit ihrem Fächer auf die Hände: “Aber Du hörst ja garnicht zu! Weshalb hörst Du mir nicht zu? Du bist blaß und Du bist traurig. Und Du hörst wahrhaftig nicht, was ich sage”

Sie schmiegte sich an mich, ganz eng, schmeichelnd und beweglich: “Du hörst nicht auf mich, Du Bösewicht”, begann sie wieder. “Und Du liebkost mich nicht einmal! So streichle mich doch, Liebling! Fühle, wie kalt und hart meine Brüste sind.”

Und mit dumpfer Stimme, wollüstig und grausam sprach sie, indem ihr Blick grünliche Flammen auf mich warf: “Höre! Vor acht Tagen habe ich ein ungewöhnliches Schauspiel gesehen. O, teurer Liebling, ich sah, wie ein Mann gepeitscht wurde, weil er einen Fisch gestohlen hatte. Der Richter hatte einfach Folgendes erklärt: ‘Man braucht nicht immer annehmen, daß ein Mensch, der einen Fisch in der Hand trägt, ein Fischer ist!’ Und er hatte den Mann verurteilt, mit eisernen Ruten zu Tode gepeitscht zu werden. Um einen Fisch, Liebling! Das ging im Garten der Qualen vor sich. Stell’ Dir vor, der Mensch kniete am Boden und sein Kopf ruhte auf einer Art von Block, einem Block, der schwarz von geronnenem Blut war. Der Rücken und die Lenden des Mannes waren entblößt ...”

Aus der Reihe "Garten der Qualen" 10.12.2007 Weiter lesen

imageOctave Mirbeau schrieb obige erotische Geschichte. - Der französische Schriftsteller wurde 1850 bei Bayeux geboren und starb 1917 in Paris. Bekannt war er für kritisch-satirische Romane und sozial-engagierte Bühnenstücke. Aufsehen erregte sein Theaterstück "Geschäft ist Geschäft" aus dem Jahr 1903. Mit ätzender Schärfe legt er hier bloß, wie einem Geschäftsmann der Profit wichtiger ist als Freunde und Familien. Weitere Werke: "Tagebuch einer Kammerzofe" (Roman, 1900) und "Der Garten der Qualen" (Roman, 1899).

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Ein perverses Werk - Im Jahr 1899 erscheint "Der Garten der Qualen" - und wird unmittelbar zu einem Skandal. Das Buch (französischer Originaltitel : Le Jardin des supplices) verstört die Zeitgenossen mit seiner drastischen Schilderung der Sexualität; mehr aber noch mit der Lebenshaltung, die hinter den geschilderten sexuellen Verhaltensweisen aufleuchtet. Sie wird als pervers empfunden. Eine Einführung in das Werk "Der Garten der Qualen".

erotische geschichten

Die Erotik-Reihe "Garten der Qualen" - alle bisherigen Folgen

Die erste Geschichte der Reihe stehen in der Liste oben, neueste Liebesgeschichten stehen unten.

“Schamloses Machwerk, skandalöses Buch!”
01 - Die Vögel verschmähten ihren Leichnam
02 - Junge Mädchen in Russland - von Soldaten zu Tode gefickt
03 - Bald war meine Lanze rau und rot
04 - Auf dem Weg zum Garten der Qualen
05 - Das verwesende Fleisch
06 - Die Wollust der Menschen
08 - Die glühende Gerte auf dem Fleische
09 - Stinkendes Fleisch und zuckende Leiber
10 - Männer in Ketten
11 - Im Garten der Qualen

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