Alles über sexuelle Entgleisungen

Das Schicksal der perversen Autoren

Eine kurze Einleitung von Tom Kunst, geschrieben im November 2019 - Viele Schriftsteller, die später zu Weltruhm gekommen sind, haben Sex-Romane geschrieben. Sie fanden nichts Verwerfliches dabei, denn das Thema jeden großen Schriftstellers ist der Mensch und kaum etwas interessiert den Leser mehr, als was Menschen mit Menschen anstellen - manchmal gehen sie eben miteinander ins Bett oder woanders hin, um Dinge miteinander zu treiben, die Menschen miteinander treiben. Die Liebe, der Sex, ist als Thema allemal menschlicher als das andere große und dreifaltige Thema der Menschen: der Krieg, das Leid und der Tod. Schauen wir uns drei Autoren, die heute nahezu vergessen sind, näher an; sie haben Weltliteratur geschrieben und schwüle Sexreißer, manchmal sogar beides zugleich. Viel Spaß bei der Lektüre.


Autoren-Schicksal: Wilhelmine Schröder-Devrient

Wilhemine Schröder-Devrient lebte ein für eine Frau des 19. Jahrhunderts ungewöhnliches Leben in Deutschland: künstlerisch und geschäftlich erfolgreich, selbstbewusst - und bis ins Alter hinein mit wechselnden Männern an ihrer Seite.


Autoren-Schicksal: Octave Mirbeau

Der französische Schriftsteller Octave Mirbeau hinterließ ein kleines, klug angelegtes Vermögen, das er sich erschrieben hatte. Bekannt war Octave Mirbeau für kritisch-satirische Romane, sozial-engagierte Bühnenstücke und - vor allem - für seine sexskandalösen Romane wie "Tagebuch einer Kammerzofe".

Seinen Verfasser machte es zu einem Ausgestoßenen - und zum Millionär. Frauen verschlangen das Werk unter der Bettdecke, Männer erregten sich über die vulgäre Sprache und die geschilderten Praktiken. Nie zuvor hatte es ein Schriftsteller gewagt, derart direkt über Sex zu schreiben: "Der Garten der Qualen" von Octave Mirbeau erschütterte die lesende Welt vor 100 Jahren. Das Buch erreichte Millionenauflagen. Bis es verboten wurde. Denn die Zensur siegte. Und der schwüle Schmöker geriet in Vergessenheit. Die NIGHTLOUNGE veröffentlicht den kompletten Roman neu: in lesefreundlichen Abschnitten, sorgfältig editiert. Garantiert unzensiert, mit allen - auch heute noch - skandalösen Schilderungen.


Autoren-Schicksal: D.H. Lawrence

30 Jahre nach Niederschrift des Romans "Lady Chatterley" durch D.H. Lawrence wagte es ein englischer Verlag, das Skandalbuch auf der britischen Insel herauszubringen. Und wird prompt am 20. Oktober 1960 vor Gericht gezerrt.

In fünf Verhandlungstagen vor dem Londoner Kriminalgericht Old Bailey ging es nicht allein um das Schicksal des Romans, sondern auch um das Fortbestehen des Verlags, der sich finanziell stark engagiert hatte. Es sollte geurteilt werden, ob “Lady Chatterley” unmoralisch oder gar obszön sei. Neun der Geschworenen waren Männer, drei Frauen, darunter eine Kindergärtnerin und eine Witwe mit vier Kindern. Der Staatsanwalt las in seiner Eröffnungsrede sämtliche "unanständigen Stellen" des Werks vor und zählte dabei die schlimmen Worte. Richter Byrde unterbrach die Aufzählung. Doch am nächsten Tag berichtete die Londoner Presse sämtliche Details, die Sexstellen der Geschichte wurden nachgedruckt - es gehörte zur erlaubten Gerichtsberichterstattung. 24 Zeugen wurden während der Verhandlung aufgerufen, um "Lady Chatterley" endgültig aus dem Verkehr zu ziehen.